Reya Dawnbringer

Magic the Gathering in Dresden und Umgebung

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PT Charleston, Teil 3

Die Decks waren also gebaut, die Sideboards ebenso und auch Jims Schnarchen konnte elegant mit Taschentüchern in den Ohren neutralisiert werden. Unserem ProTour-Auftritt stand nun eigentlich nichts mehr im Wege - wäre da nicht die Sache mit dem amerikanischen "public transport".
Zum Glück findet jedoch vor jedem Großereignis schon am Donnerstag Abend die Anmeldung (und oft auch noch eine Player's Party statt - diesmal wurde diese jedoch irgendwie vergessen), somit war der Zeitdruck nicht ganz so dramatisch. Denn den hätten wir bekommen...
In unserem heißgeliebten Visitor's Center hatte man uns nämlich - sehr zu unserer Verwunderung - erklärt, dass es "no problem" sei, von der City (wo wir waren) zum Convention Center (wo die ProTour war) zu kommen. Man müsse einfach nur die Buslinie 11 nehmen...
Nun ist das in Charleston, ganz Metropole, jedoch nicht etwa so, dass die Busse im Zehnminutentakt fahren, auch nicht unbedingt aller Viertelstunde. Laut unserem Plan müsste ganz genau jede Dreiviertelstunde so ein Gefährt vorbeikommen. Als wir dann anderthalb Stunden an unserer Haltestelle - mit dem Tennisball Fußball spielend - verbracht hatten, wurden wir doch etwas nervös und begannen, ein wenig die Umgebung abzugrasen. So verpassten wir auch direkt den Bus. Eine geschlagene Stunde später (1,5 + 1...) sind wir dann tatsächlich eingestiegen...und mit uns ungefähr 40 ausschließlich schwarze Menschen, die sofort eine Gruppendiskussion mit dem Busfahrer begannen.
Dies wurde natürlich in ohrenbetäubender Lautstärke gemacht, da ja auch die Meinungen der letzten Reihe noch von unserem, sichtlich vom Fahren abgelenkten Fahrer gehört werden sollten. Und wir mittendrin. Seltsames Gefühl.
Die Fahrt war zum Glück dann lang und beschwerlich (+ 1...), damit wir dieses auch eine Weile genießen durften und führte uns dabei quer durch die schlimmsten Suburbs von Charleston. Wie übel der jeweilige Bezirk gerade war, konnte man übrigens prima anhand der riesengroßen Werbetafeln erkennen, die zum Suchttelefon führten. Da gab es von "alcohol? call..." über "marijuana?" bis zu "Heroin problems?" alles. Beruhigend.
Irgendwann kamen wir dann auch tatsächlich an. Die Site war diesmal recht unspektakulär. Typisches Convention Center, wo immer mal ein Schaukelstuhl hingestellt wurden war, um Südstaaten-Flair aufzubauen. Treffender wäre wohl eine kleine Kirche und eine Autowerkstatt gewesen...
Die Player's Party war wie gesagt auch eher nicht vorhanden und so konnten wir uns ziemlich bald wieder auf den Rückweg machen. Dieser begann zunächst mit den scheinbar obligatorischen mit 1,5 h Warten an der Haltestelle, gefolgt von weiteren 30 Minuten, schließlich lernt man ja aus seinen Fehlern.
Leider war diesmal die Haltestelle tatsächlich keine Haltestelle (wahrscheinlich daran zu erkennen, dass an dem "H" auch eine "11" klebte...die fehlte nämlich sonst zu unserer geringen Beunruhigung...) und so wanderten wir ein bisschen und warteten erneut. (1,5 + 0,5 + 1 + 1) Auch so kann man einen Tag in Charleston rumbringen.
Dies alles sorgte dann dafür, dass wir durchaus skeptisch waren, was unsere Sicherheit, pünktlich am nächsten morgen auf der Matte zu stehen, anbelangte, aber, um es vorwegzunehmen, wir waren rechtzeitig da. Sogar die ersten beim Frühstück in der Player's Lounge...

Runde 1 - I have candy

Das Turnier begann dann (und das schon im dritten Teil des Berichts...;-)) gleich recht anstrengend: Stefan hatte schnell verloren & der Andy gewonnen, also hing alles an mir. Mein Gegner spielte dieses Uwr-Engel-Deck mit Fetters, Dream Lash & Copy Enchantment. Das erste hatte ich recht zügig über Ghost Council gewonnen, wobei er sich ziemlich überrascht zeigte, dass ich wusste, wie Copy Enchantment funktionierte (klar, als alter Rector-Spieler, wo das mit dem Confiscate genauso klappt...auch wenn ich nicht so richtig erklären könnte warum...) Und den Geisterrat in Reaktion auf das Spielen von Copy Enchantment untertauchen ließ. Ansonsten kommt man da nämlich nicht mehr dazwischen.
Das zweite wurde dann ein echter Nagelbeißer. Mit Hilfe von multiplen Searing Meditations war ich im Leben weit nach unten gesackt, hatte aber ein Debtor's Knell auf den Tisch bekommen. Die Boardposition war recht unüberschaubar und passte auch nur auf den Tisch, weil die anderen Partien zu Ende waren. Ich ging ungefähr achtmal auf Eins, aber nie darunter und so konnten wir tatsächlich positiv in das Turnier starten. Übrigens wären in diesem Matchup Leave no Trace ganz schön gut im Sideboard gewesen, aber wir hatten ja zum Glück erkannt, dass gegen "ein paar Enchantments ja die Morrtifys reichen"...

Runde 2 - Taniimonogatari

Hier erwarteten uns die ersten Japaner. Ich versuchte ein bisschen mit ihnen zu kommunizieren, indem ich nach dem Teamnamen und dessen Bedeutung fragte. Leider scheiterte der Versuch an ihrer Unfähigkeit, englische Vokabeln zu finden - oder es war ihnen einfach nur peinlich. Who knows. Jedenfalls lächelten sie alle ziemlich ausdauernd.
Das hätte uns warnen sollen.
Stefan konnte zwar gegen ihr Mortify-Deck recht souverän gewinnen (ist auch so das beste Matchup), während Andreas zum ersten Mal die blauen Karten abbekommen sollte. Dies ist wie schon bei den Decks beschrieben eher ungünstig und wird richtig schlecht, wenn der Gegner neben der bösen Kontermagie auch noch Razias Purification auspackt. Da klappt dann nämlich der schöne - aber etwas manaintensive - Dauerdiscard-Plan auf einmal nicht mehr.
Mein Gegner hatte derweil ein LD-Deck am Start. Dieses hatten wir in unseren Testrunden zwar angedacht, aber nie fertig gebaut gehabt und das sollte sich jetzt rächen. Er hatte eine Variante aus roten, grünen und schwarzen Karten, die nach dem Boarden zum DickeMännerDeck (TM) wurde. Leider hatte ich das zweite Spiel so schnell gewonnen, dass ich es nicht bemerkte & so überraschte mich das noch ein wenig im dritten, als er mir fürs Castigate eine Hand aus Wayfarer, Grubendrache und Helldozer x 2 präsentierte.
Zu diesem Zeitpunkt hatte er nur eine rote und eine schwarze Manaquelle. So nahm ich logischerweise den Manafixer und er legte geschickt irgendwoher rotes Mana, schwarzes Mana, schwarzes Mana und das war's...

Runde 3 - Chartrillionaire

Auch diese Runde gehörte nicht unbedingt zu unseren glücklicheren. Der Andy musste gegen ein Glare-Deck ran. Glare-Decks waren prinzipiell eigentlich super schlecht - und das gegen alles - , weil die ganzen Token ständig zu sterben pflegten und bestimmte Einzelkarten gar nicht in den Griff zu bekommen waren. Trotzdem ging das Ganze verloren. Ich habe nur Spiel 2 (was der Andreas sicher gewann) und 3 gesehen, wo er Doppel-Mulligan nahm und dann gegen SkySwallower x 2, gefolgt von Dovescape zusammenschob.
Ich gewann recht schnell gegen ein weiteres LD, hauptsächlich, weil ich das Würfeln gewann (1-0) und er unfähig war, im zweiten Spiel beim Stande von ungefähr 11-0 Mana (logischerweise für ihn) einen Mann zu ziehen...
Die Entscheidung lag damit diesmal beim Stefan. Sein Gegner hatte ein Simic-Deck mit Brandbaumschamanen und Char dabei. Dies ist ein relativ ungemütliches Matchup, da die beste Anti-Kreaturen-Karte (Ends) 5 Mana kostet und nur im Angriff des Gegners spielbar ist. Das macht sie sehr anfällig gegen Kontermagie, besonders auch Remand, da man ja in der eigenen Runde das Ganze nicht nochmal gegen einen weiter ausgetappten Gegner versuchen kann.
Am Ende kam es zu einer Situation, wo der Stefan bei 6 Leben ein Schockland entweder enttappt (um essentielles Remand des Gegners zu verhindern) spielen kann, so aber das Char tödlich ist. Gegner spielt beides, beides ist 2 x im Friedhof, Stefan entscheidet sich für die zwei Schaden und der Gegner hat das Char.

Runde 4 - Malinchron

Hier fehlen mir ein bisschen die Erinnerungen. Ich weiß noch, dass mein Gegner BWG-Kontrolle gespielt und ich dementsprechend gewonnen habe. Auch Stefan und Andreas siegten (wie mir die Coverage verrät), aber ich weiß weder wogegen, noch warum. Sorry, das Alter...

Runde 5 - Playing with Mrs Cunningham

Uh, das war auch ganz schlecht. (und hier erinnere ich mich durchaus...) Ich musste wieder gegen ein LD ran, dass sich zum Glück wieder selbst besiegte. Stefans Gegner bemerkte im Mirror zunächst bei der spannenden Frage nach dem Leben des Firemane Angels, der zu Beginn der Upkeep lebte und dann vor dem Resolven des Triggers starb (kein Leben!), dass er irgendwie nur 58 Karten hatte und meinte nach 10 Minuten Engel-Diskussion: "Sorry, illegal Deck, you win that one..."
Natürlich war dem Stefan das zu einfach und er mulligante einfach mal ziemlich oft in Spiel zwei. Game 3 ging er dann in den Beatdown mit Spinne x 2 und Windreaver. Allerdings war der Gegner ein Guter und erledigte einfach jeden von ihnen mit Copy Enchantment (und einem DreamLash, das irgendein Land geklaut hatte...)
Andreas hatte den Rotgrünen Gruul Magier zum Feind und schaffte es Spiel drei bei Doppel Sky Swallower auf dem Tisch (und Leben 4 - 4) gegen Char von oben zu verlieren...

Runde 6 - Two Judge Giants

Das waren Argentinier, die gerade siegtrunken vom 6-0 der heimischen Nationalmannschaft gegen Serbien und dementsprechend locker drauf waren. Matchuptechnisch hatten wir mal Glück gehabt. Stefan spielte gegen U/x und gewann einfach. Ich durfte im Mirror ran, wo der gewinnt, der mehr Pontiffs zieht - und wenn das nicht klappt, der mit mehr Vampiren. Ich hatte von beiden 2 mehr im Deck und so gewann ich...ganz knapp 2-1...man muss die nämlich auch noch ziehen.
Der Andy musste zu diesem Zeitpunkt im grünen Kontroll-Matchup ins dritte Spiel, wo Bound mal zeigen konnte, was es kann und ungefähr 3 Mal ganz tolle Karten wiederholte.
Somit waren wir theoretisch noch im Rennen - wenn wir die nächste Runde gewännen...

Runde 7 - Der Eiserne Thron

...doch wir standen vor dem Eisernen Thron und konnten ihn nicht bezwingen. Die Drei kamen aus Österreich und waren trotz der Wichtigkeit des Matches ganz locker drauf. Vielleicht lag es auch einfach nur daran, wie sich alles so entwickelte.
Zunächst waren die Matchups eher ungemütlich für uns - Stefan hatte den guten Beatdowngegner, der seinen in beiden Spielen auftretenden Color-Screw auch direkt böse beantworten konnte. Andreas spielte derweil mal wieder gegen eine ganze Menge Inseln. Er konnte zwar ein Spiel via Nightmare Void x 12 oder so gewinnen, die anderen beiden verlor er jedoch recht deutlich. Und auch ich sah nicht wirklich gut aus, im Duell mit dem vierfarbigen Landzerstörungsdeck. Dieses hatte erkannt, dass Rolling Spoil ganz schön gut sein könnten & dementsprechend viele waren am Start. Immerhin konnte ich auch hier das Spiel gewinnen, wo zwar all meine Länder kaputt waren, aber sich auch gleichzeitig alle Threads des Gegners in dessen Bibliothek ausreichend lange versteckten, bis ich mich davon erholt hatte. Nicht das es relevant gewesen wäre...

Und damit war die Pro Tour direkt wieder beendet. Vielleicht ein wenig unglücklich an manchen Stellen, aber man muss auch zugeben, dass wir sicher nicht in bester Form waren. Irgendwie hat das Blutdoping versagt...
Das einzig Positive an der Geschichte war, dass wir jetzt nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Zeit hatten, Fußball zu schauen. In der Pro Player's Lounge (klingt schon gar nicht schlecht) hatten sie nämlich den großen Fernseher aufgebaut und so hatten wir die nächsten Tage einen Premium-Platz - inklusive reichhaltiger und vor allem kostenloser Getränke und Speisen.
Ganz spannend wurde es jedoch erst, als die USA gegen Italien ran musste und all die Menschen, für die Football normalerweise mit eiförmigen Bällen gespielt wird, sich neben uns niederließen und Kommentare abgaben. Wie zum Beispiel nach einer roten Karte: "Does this mean, it's a 62 minute - time penalty?"

Ansonsten gibt es aus Charleston nicht mehr so viel zu berichten. Wir vertrödelten die Zeit bis zum Montag Abend recht einfallslos und waren dann ganz froh, als wir am Flughafen einchecken konnten. Weniger froh waren wir, als wir dann eine ganze Weile warten mussten. Charleston ist halt so bedeutend, dass immerhin ein ganzes Flugzeug auf der Strecke nach Washington eingesetzt wird. Dieses war leider gerade dort, als ein Unwetter begann, so dass es nicht zu uns fliegen konnte. Das machte uns genau dann nervös, als der weitere Zeitplan ausgerufen wurde und wir feststellten, dass wir so wohl den Anschlussflug nach Frankfurt verpassen würden. Allerdings waren unsere Möglichkeiten in diesem Moment etwas beschränkt - also hieß es warten und dann in Washington...weiter warten.
Denn natürlich war das Flugzeug in die Heimat längst unterwegs und wir standen - zusammen mit einer guten Hundertschaft ähnlich Glücklicher - am Service-Schalter, in der Hoffnung, dass alles gut werden würde.
Als uns dann jedem ein Kissen in die Hand gedrückt wurde, wussten wir, dass das wohl auch nix werden würde...Statt dessen kamen wir in den Genuss einer seeeehr langen Nacht auf dem Flughafen Washington - gut beleuchtet, bemerkenswert unbequem und inklusive zahlreicher, überdurchschnittlich lauter An- und Durchsagen...
Unsere Route hatte sich dann auch gleich noch ein wenig geändert. Wir hatten einen kleinen Extraflug geschenkt bekommen, der uns von Washington nach Frankfurt - mit Zwischenstopp in Atlanta - bringen sollte. Für alle, die jetzt nicht die Karte der Vereinigten Staaten vor sich haben...Das ist in etwa so, wie von Nürnberg nach Hamburg über München zu fahren. So konnten wir ungefähr vier Stunden nach Abflug in Washington dann auch noch mal einen Blick auf die Stadt werfen...
Als Krönung des Ganzen stellte sich der Atlanta - Flug als Azubi-Veranstaltung heraus. Leider bezog sich das nicht nur auf die Stewardess, sondern auch auf beide Piloten. Vom Flugstil her würde ich meinen, die sind direkt von der Luftwaffe gekommen...selbst der große, schwarze Mann, der den Platz neben mir bekommen hatte (Yo, brother), ist ganz schön blass geworden...

Doch irgendwie sind wir - irgendwann - wieder da gewesen...und jetzt um eine Menge Erfahrungen reicher...

Wir Touristen: "What are the things to see in Charleston?"
Eingeborener: "Mmm, there is a large tree..."
WT: "?"
E: "It is famous...for being...large."


Michael Diezel, 17. Juli 2006


Kommentar von Falagar am 17. Juli 2006

Danke fuer diesen Artikel, immer wieder schoen, was vom Midi zu lesen. Ihr haettet in Washington aber garantiert auch umsonst einen Hotelaufenthalt bekommen, das hatte bei mir zumindest mal in Denver gut geklappt. Und Georgia habt dann auch gleich noch gesehen, wenn das nix ist. Am 1. September ist Grand Prix in Phoenix. Da kann ich endlich mal wieder mitspielen. :)

Kommentar von Der MiDi am 18. Juli 2006

Hey Mike, schön zu lesen, dass es Dich noch gibt ;-)
Wir dachten ja auch, es gibt ein Hotel, aber die haben dann was von "nix eigene Schuld" gelabert und alles auf Gott geschoben und so wurde es nur ein Kissen...

Kommentar von Frank am 18. Juli 2006

ist doch ganz klar, die "Planierteufel" waren Schuld.

Kommentar von Mathias am 18. Juli 2006

super Artikel, war sehr lustig zu lesen! Schade, dass es nicht so geklappt hat wie geplant...

Kommentar von Bademeister am 18. Juli 2006

Ich habe mich köstlich beim lesen amüsiert. Toller Artikel.

Kommentar von Dj am 18. Juli 2006

Jo echt super, da will man bestimmt nicht nochmal hin. Bis auf die Lounge schien ja der Rest nicht so toll gewesen zu sein . . .

Kommentar von powerengel am 19. Juli 2006

Seit langem mal wieder Artikel die sich lohnen zu lesen. Top!!

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