Reya Dawnbringer

Magic the Gathering in Dresden und Umgebung

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Es war einmal eine WM, Teil 2 von 5

Die Reise, Player's Party, Tag 1 und einiges mehr...

"Aber Ihr seid tot. Ihr fallt auseinander, Meister. Wie wollt Ihr in einem Stück nach Paris kommen?" - "ich dachte wir nehmen den Zug." ; Anastasia

Der normale, deutsche WM-Teilnehmer stieg ein paar Tage vor Beginn der Worlds ins Flugzeug und war spätestens zwei Stunden später in Paris. Zum Glück ist uns (nun ja, hauptsächlich mir) das zu...normal und so wählten wir die unendlich lange Zugfahrt.
Meine Reisebegleiter für die nächsten Tage sollten übrigens Farid Taoubi und Eric Winkler sein, die - mit mehr oder weniger Gepäck bewaffnet - auch tatsächlich rechtzeitig auf dem Bahnhof standen. Die Hinfahrt war dann auch bemerkenswert unspektakulär. Sogar alle Ausweise waren eingepackt worden, auch wenn bei Farids das Haltbarkeitsdatum ein wenig überschritten war - aber die braucht man ja eh nicht mehr.
Skat spielend machten wir uns also auf zur Grenze und darüber hinweg, als auf einmal eine durchaus männliche Stimme meinte:

"Passeporte, s'il vous plait"

Da wurde der Farid aber rot...Ich sah mich direkt zu zweit weiterfahren, als

"Merci. Bon voyage."

alles auch schon erledigt war. Wie gut, dass manche nicht ganz so genau auf alles achten...
Wie wichtig Farid für uns war, zeigte sich dann recht bald, als die üblichen Probleme bei Auslandsreisen - Ticketkauf, Zimmer besorgen etc., einfach vom fließend französisch sprechendem Reisegefährten übernommen wurden.
Wenig später befanden wir uns also auch im Zimmer Nr. 36 des Hostel "Jules Ferry", zusammen mit einem geselligen, jungen Mann aus "Oregon", wie er uns direkt erzählte. Mit solchen Informationen gefüttert machten wir uns gleich auf zur beliebten Player's Party, die - stilecht wie die ganze Veranstaltung - im Louvre stattfinden sollte.

Leider war der Eingang verschlossen.

Mysteriöse Hinweise führten uns dann jedoch zu einer weiteren Tür, durch die zahlreiche alte, wohlgekleidete Franzosen ins Innere des Louvre schlüpften. Allerdings hatten diese auch Eintrittskarten dabei. Während wir also auf eine Eingebung warteten, hüpfte eine junge Dame auf uns zu und meinte "Magic?" (Sprich: Maschigg)
Woran sie das nur erkannt hatte.
So schlüpften wir an der drängelnden Oldie-Meute vorbei. Im Schlepptau den ungefähr 90-jährigen Opi, der - fragend von der Einlasserin angeschaut - einfach meinte: "Maschigg?!"

Im Inneren erwarteteten uns surreale Bilder aus Menschen, Ballett und Licht. Als dann noch plötzlich ein Blitzlicht aufflammte, suchten wir direkt den Filmstar...
...und fanden den Kai..., der sich im Blitzlichtgewitter der zahlreichen französischen Kinder wiederfand...

Tja ja, der Ruhm...

Derweil hatte sich vor dem Registration-Laptop (man beachte den Singular) eine gewaltige Schlange gebildet, die nur durch seitliches Einsteigen bezwungen werden konnte. So ins Innere Heiligtum gelangt, erwartet man unter dem Begriff "Player's Party" ja schon eine ganze Menge. Laute Musik, halbnackte Frauen und eine Menge Alkohol.
In der Realität jedoch marschierte der Standard-Worlds-Teilnehmer direkt und ohne auf die - zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftigen - Klänge der lokalen Kapelle zu achten, zum kulinarischen Teil des Abends, bestehend aus "Gack, Gack", so die allgemein gültige Übersetzung in alle Sprachen, in Gebäck, einigen Salaten und unendlich Fromage.
Zum ersten Mal wurde hier auch ein gewisses Platzproblem deutlich, sodass einige (aktuelle und künftige) ProTour-Sieger ihr Gack-Gack auf der Treppe hockend verspeisen mussten.

Kurz nach 22 Uhr waren dann auch alle Anwesenden registriert und das Bier vollständig vernichtet. Da der kulturelle Teil mit dem Abzug der Landesmeister zur Fahnenträgerübung abgehandelt war, konnte man sich dann auch recht unbesorgt ins Hostel begeben, wo unser Mitbewohner aus dem fernen Oregon gerade seine abendliche Toilette beendet hatte und auf dem Weg war, die Stadt unsicher und ihre junge Damenwelt unglücklich zu machen.

Wir wünschten ihm eine Gute Nacht.

Für uns hieß es derweil, Decks zu bauen bzw. die benötigten Karten zu schnorren, wobei man dabei eine mathematische Überlegung aufstellen konnte, nämlich: [Erfolg umgekehrt proportional zu eigenen Karten].

Judge: "Decklists, please"
Kai Budde: "Hat noch irgend jemand Engineered Explosives?"

Die Nacht war dann erstaunlich erholsam - gut, 12 Stunden Zugfahrt waren auch nicht sooo entspannend - jedenfalls bis um 7.15 Uhr die Tür kräftig aufgeschlagen wurde und Oregon-Man von seinem Streifzug, junge Französinnen zu entjungfern, heimkehrte.
3 Sekunden später stank das ganze Zimmer nach Alkohol.
10 Sekunden später scheiterte sein erster Versuch, auf den oberen Teil des doppelstöckigen Bettes zu gelangen, an dessen Höhe.
25 Sekunden später scheiterte auch Versuch Nummer 2, diesmal durch lautstarkes Fluchen begleitet.
Nach 45 Sekunden hatte er es endlich geschafft. Nach 50 Sekunden fing er an so kräftig zu schnarchen, dass wirklich die gesamte Etage aufwachte...

Die Sanitären Einrichtungen - bei Jugendherbergen eigentlich immer ein verlässlicher Punkt für eine Anekdote im folgenden Bericht - waren recht ordentlich. Nur, dass das Licht während des Duschens einfach erlosch, störte ein wenig...

Im Louvre angekommen empfing uns zunächst ein beeindruckendes Bild voller Menschen. Kein Wunder, schließlich sollte der PTQ ja auch schon in knapp 2 Stunden beginnen...

Einige Zeit später, wurde dann das schöne Bild von ungefähr 20.000 Menschen in einer Reihe (weitere 10.000 standen bei den Künstlern) von der berühmten Flaggenzeremonie gesprengt. Jedes teilnehmende Land durfte nämlich seinen Meister schicken, der die passende Fahne nach vorne trug. Begleitet wurde das Ganze von rhythmischen Trommeln und sehr dubiosem Gepfeife (wenn jemand den Titel dieses Hits weiß, bitte posten...), was...nun ja...ganz schön bescheuert klang.
Genauso sahen übrigens auch die stolzen Landesvertreter aus und - Nein! In diesem Fall war ich wirklich keine Sekunde lang neidisch auf den Erfolg unseres Maxes.

OK. Seite 10 ist erreicht, Zeit, Karten zu spielen.

1. Runde: Yarhas, Harry ™ [GRC]

Auf genau so einen Gegner hofft man eigentlich in der ersten Runde einer Weltmeisterschaft. TM (in diesem Fall TeamMember) und das von - nicht unbedingt als Magic-Großnation verschrieenem - Griechenland.
Harry sieht auch ungefähr aus wie der Standard-Reeder, ganz echt mit Goldkettchen und allem Drum und Dran.
Aber es ist die erste Runde und ich bin ziemlich nervös. Zum Glück hilft Harry meinem Selbstbewusstsein auf die Sprünge, indem er im ersten Spiel völlig eingeht.
Er hat eine schwarz-grüne Beatdownkreation dabei, die Rot für Demonfire splasht. Leider versagt seine Manabasis zunächst die Mithilfe und so muss er lange basteln, bis endlich ein Hypnotic Specter auftaucht. Dieses hat natürlich gegen den roten Brandmagier keine allzu hohe Lebenserwartung und als Nummer 2 der fliegenden Gespenster auftaucht, ist Harry selbst schon getoastet.
Soweit so gut.
In Spiel 2 läuft es ähnlich. Harry baut noch diverse spielerische Leckerbissen ein, wie beispielsweise mehrmaliges Dredge-Vergessen beim Darkblast oder Misskalkulation beim Dämonenfeuer. So stehen die Lebenspunkte irgendwann 19 - 2 für mich und es gibt nix Spektakuläres auf Hand oder Board.
Natürlich verliere ich dieses Spiel, zumal sich Harry nach Topdeck Savannah Lion (ungefähr 3 Länder später) doch noch des Darkblasts im Friedhof erinnert.
Nun gut, das kann passieren.
In Spiel 3 gibt es dann den berüchtigten Doppelmulligan auf Mann + Griffin Guide, den er - wie schon im Spiel zuvor - mit einem Demonfire beantwortet. Da das alles ist, was mein Deck in diesem Spiel zustande bekommt, hat die WM in diesem Moment recht unangenehm begonnen.

0-1, 1-2

2. Runde: Thompson, Gerry [USA]

Genau der Aufbaugegner, den man in einem solchen Moment braucht.
Dazu spielt der Gerry auch noch dieses komische Engel Deck, welches gerade für dieses Matchup gebaut wurde. Und anders als in den Top8 später, klappt das hier auch noch ziemlich gut. Oder anders gesagt, ich wurde gemetzelt.
Zwischen Condemn, Helix, multiplen Engeln (die teilweise noch Leben machen) & - nach dem Boarden - Faith's Fetters wird es aber auch knapp für den Aggrozauberer.

0-2, 1-4

3. Runde: Hirabayashi, Kazuya [JPN]

Und jetzt noch ein Japaner...Nun gut, den Namen kenne ich nicht, aber ein Japaner, die sind bekanntlich alle übermächtig.
Kazuya hat natürlich auch ein Uwr-Control Deck, wie ich spätestens erkennen muss, als meine ersten beiden Männer vom Condemn beseitigt werden und der dritte an der Helix stirbt.
Allerdings hält Kazuya Spiel 1 spannend, indem er einfach nicht das 4. Land zieht (er hatte auch ganz gierig eins für Compulsive Research abgeworfen) und so geht es doch bergab mit seinen Lebenspunkten und nach dem - sehr späten - Zorn kann ein Engel + gekickertes Demonfire das Spiel für mich gewinnen.
Im zweiten Duell verzichtet er vollends auf die Teilnahme, abgesehen von einem Condemn, da mein Doppel-LD ihn auf 1 Land festsetzt und er auch kein weiteres zieht.

1-2, 3-4

4. Runde: Cornelissen, Kamiel K. [NLD]

Er ist eigentlich auch ein TM, allerdings von einem etwas beeindruckenderen Land. Als Krönung des bisherigen Tages hat er auch noch das Leben-Deck dabei. Natürlich wieder mit Doppel-Condemn in Spiel 1. Sonst geht ja hier scheinbar gar nichts.
Das Spiel bleibt übrigens recht spannend, da Kamiel mit Martyrer, Proclamation und einer Menge Howling Mines zielsicher an allen weißen Karten vorbeizieht.
Ich brenne ihm ordnetlich Chars auf den Leib und bekomme ihn so irgendwann sogar auf 3 - bis er sich endlich ein paar weiße Karten besorgt und verdammt schnell bei ungefähr 30 ist.
Nach dem Sideboarden muss ich einen Mulligan auf eine Hand ohne LD nehmen (das heißt, mir fehlt eigentlich jede Chance).
Er condemnt meinen ersten Mann und spielt dann einen Märtyrer, der - nachdem er noch einen Brand gefangen hat - geopfert wird & Proclamation, Zorn & Doppel-Fetters vorzeigt.
Kamiel ist bei 28 und spielt gleich noch einen Märtyrer...
Ich schieß ihm einen Char an den Kopf und packe zusammen.

1-3, 3-6

5. Runde: Vefa, Yusuf [TUR]

Yusuf fängt auch mit getappten Sacred Foundry an und mir schwant Schlimmes. Zum Glück ist er jedoch der Boros-Magier mit Startschwierigkeiten. Das Mirror selbst lässt sich meist mit ein paar Karten gewinnen oder verlieren. Soltari Priest, Griffin Guide und natürlich Lightning Helix.
Es hilft natürlich auch, wenn der Gegner in den Landklumpen reinzieht, wie Yusuf in Spiel 1.
Das zweite Duell gewinnt mir die eingeboardete Passage, von der er so überrascht ist, dass er sie erst ein paar mal liest (sie ist deutsch), bis er erkennt sie ist deutsch und sich vom Judge die Übersetzung geben lässt.
Wir diskutieren noch ein bisschen über Nutzen und Zweck dieser Karte, wobei die Zahlen eigentlich eindeutig sind.

2-3, 5-6

6. Runde: Fujita, Osamu [JPN]

...und noch so ein "wandelndes Freilos" [Zitat Kai]...

Der Osamu hat auf jeden Fall das Äußere eines Schwarzmagiers, richtig böse Augen und verfaulte Zähne, aber eigentlich ist er - wie so ziemlich alle Japaner - supernett.
Die Spiele sind - wie so oft im Mirror - richtig knapp, da ich ihn zweimal auf 1 haue, was aber bekanntlich nicht das Ziel des Spiels ist.
Der Großmeister Fujita gewinnt Spiel 1 dann ziemlich stylisch mit Demonfire für 4, Demonfire für 5 und Demonfire für 5, was durchaus passgenau für meine 14 Leben war.
In Spiel 2 glänzt die Sideboardtech: 2/2-Flieger, der Enchantments kaputt macht. Keine Ahnung, wie der heißt.
Verzauberungen hat er übrigens genau keine zerstört, aber sein Seal of Fire konnte auf einmal - dank der anderen Ability des Vogels, die sonst nicht mal im Limited eingesetzt wird - meinen Priester zerstören.
Nach dem Spiel frage ich ihn, ob das so geplant war oder jetzt eher zufällig auftrat.
Er lächelt mich freundlich an und macht seltsame Handbewegungen und das heißt wohl so viel wie "Klar war das geplant, ich bin schließlich Japaner und im Gegensatz zu den Deutschen bauen die ihre Sideboards nicht erst 5 Minuten vor Decklistenabgabe"
Mag aber gut sein, dass ich da zu viel rein interpretiere.

2-4, 5-9


"Kämpfe, Jörg: DU BIST DEUTSCHLAND!"

Damit war der erste Worlds-Tag auch direkt und unangenehm erfolglos beendet. Die Frage, ob ich dieses Deck nochmal spielen würde, ist schwer zu beantworten, da ja Boros-Decks an sich gar nicht so schlecht abgeschnitten haben. Die Kunst war wahrscheinlich, die erste Runde zu gewinnen, um gegen all die Tron-Decks und vergleichbare Sachen gepaart zu werden und nicht - wie ich beispielsweise - im Sumpf der Condemn-Decks zu versinken.

Ansonsten gab es am ersten Tag bekanntermaßen noch Teampunkte zu vergeben. Doch wie sich vielleicht rumgesprochen hat, war Deutschland nicht unbedingt in Hochform (siehe Bild, klicken zum Vergrößern).

Auch die erhoffte Player's Lounge glänzte nur durch Abwesenheit und so ließ sich der ganze Tage durchaus treffend mit - misslungen beschreiben...


Michael Diezel, 23. Dezember 2006


Kommentar von S. Rentzsch am 23. Dezember 2006

*lol* Bis jetzt zwei super gelungene Teile des Artikels und ich bin mir sicher, dass die anderen genauso überzeugen können. Bin schon gespannt auf Teil 3-5 und fins's echt schade, nicht mit dabei gewesen sein zu können...
Ciao
Stefan

Kommentar von Martin Golm am 29. Dezember 2006

"Gack, Gack"? Jetzt wissen wir endlich, woher die Klingonen ihr Gagh (sprich 'Gach'; diese Mahlzeit aus möglichst lebenden Gewürm) haben!
Wie hat's denn geschmeckt, MiDi?

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