Reya Dawnbringer

Magic the Gathering in Dresden und Umgebung

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Es war einmal eine WM, Teil 4 von 5

Tag 3 - Extended & Question Mark

"Life's hard. It's supposed to be. If we didn't suffer, we'd never learn anything." ; Before Sunset.

Nach wenig Schlaf und - genau - einem Marmeladenbaguette, standen wir ungefähr 30 Minuten vor Rundenbeginn in der Metro, kurz vor dem Louvre, als diese zunächst merklich langsamer wurde und schließlich ganz stehen blieb.
Mitten in einem Tunnel.
Eine kurze Durchsage des Fahrers später, wussten wir zwar nicht wirklich mehr, dazu war es zu...französisch...gewesen, jedoch schien es sich nicht um etwas wirklich Ernstes zu handeln, weil der Gemeine Pariser, von deren Spezies eine ganze Menge mit uns im Wagen wartete, nicht gerade in Panik verfiel und schreiend versuchte, die Fenster einzuschlagen, sondern - überaus überzeugend ruhig - einfach weiter in der Tageszeitung blätterte.


Rosi hoch konzentriert

Irgendwann zuckelte das Gefährt auch weiter, so dass wir noch gerade rechtzeitig zur Site kamen, um Rosarios Versuch mitzubekommen, sich ein Sideboard fürs gerade geliehene Affinity aus Uncommon-Tauschkarten zusammen zu basteln.
So macht man das also als angehender Pro: 17-Land-Boros bauen und testen, dieses im Hotel liegenlassen, um mit dem eiligst vor Ort geliehenen Affinity - ohne relevantes Sideboard - 3-3 zu gehen und eine Menge Geld und Punkte zu gewinnen... Glückwünsche ;-)

Danach wurde deutlich, dass unser Metro-Problem scheinbar noch mehr betroffen hatte, denn der Start von Runde 1 verzögerte sich um eine Weile. Somit blieb noch Zeit, sich die PTQ-Spieler anzuschauen, die in einer furchteinflößenden Schlange darauf warteten, dass die Anmeldung endlich eröffnet würde...

Runde 13: Schleinzer, Emanuel [AUT]

Diese Runde ist schnell erzählt: Er spielt ein Tings-Deck, also jenes Gebilde, welches durch die Invasion- & Oddysee-Sac-Länder versucht, schnell ein - für den Gegner - fatales Balancing Tings zu spielen und im Idealfall dann mit dicken Terravoren oder Nimble Mongoosen zu hauen. Gegen die blauen Decks mit der bösen Kontermagie soll es dagegen Obliterate richten.
So viel zur Theorie.
In der Praxis gewinnt Emanuel den Würfelwurf, was meine - eine - Gemstone Cavern direkt motiviert, sich auf meine Starthand zu schleichen. Wir machen eine Weile Draw-Go, wobei ich immer mal ein Thirst oder Fact einstreue. Ich habe keine Ahnung, ob er irgendwelche Counter spielt, also bin ich noch ein wenig vorsichtig, aber irgendwann gibt es dann den EOT-Teferi - völlig unbeachtet von ihm - und direkt darauf den Hardlock mit Szepter-Chant.
Das Spiel nach dem Boarden läuft ähnlich, nur dass er hier noch ansatzweise gescrewed ist und somit nicht viel machen kann, zumal das Matchup wohl auch eher vorteilhaft für mich aussieht.

7-6, 15-16

Hurra! Zum ersten Mal positiv.

Runde 14: Ishimaru, Ken [JPN]

Ken hat ein Aggro-Rock dabei, welches scheinbar davon ausgeht, dass niemand Boros oder Affinity zockt, denn hier tummeln sich ausschließlich Karten, die für das Kontroll-MU gemacht wurden. Unendlich viele Manaelfen, Confidant, Destructive Flow sind ja Standard, dazu aber Stars wie Hypnotic Specter und Braids, hässliche Frau, sind dann doch ganz schön herb. Abgerundet wird das Ganze von ziemlich genau 8 Discard-Sprüchen, so dass ich eher nicht der Favorit sein sollte.
Das erste gewinne ich trotzdem, da ich gekonnt nach seiner vernichtenden Discard-Armada von einem Kartenzieher an den nächsten gelange und ihn schließlich locke.
In Spiel 2 habe ich das Zepter mit dem Chant, Teferi auf der Hand und 5 Mana. Er hat keine Handkarte. Leider zieht er Braids, gefolgt von Puterfy und vernichtet mich doch noch.
Im entscheidenden Duell gibt es recht unspektakulär einen Doppelmulligan für mich und Doppel-Confidant für ihn. Ich habe sogar das Fire, aber leider keine rote Manaquelle und das war es dann zunächst mit dem positiven Ergebnis...

7-7, 16-18

Runde 15: Inoue, Sean [USA]

Nach ein paar Ländern und Thirsts ist klar, dass mich hier das Mirror erwartet. Leider sind die Thirsts ausschließlich von ihm, wodurch er sich einen ziemlich entscheidenden Kartenvorteil verschaffen kann. Die für Spiel 1 entscheidende Stelle kommt, als er sich in meinem EOT austappt - für Fact Nr. 8 oder so - und ich Teferi ins Spiel bringe.
In seinem Zug bekommt Teferi dann eine Helix von der Hand und eine weiter aus einem aktivierten Zepter ab.
Ich bin gerade dabei meine Legende mit etwas angesäuertem Blick in den Friedhof zu packen, als der Falko Görres - Deutschlands neuster Level-3-Judge...Glückwünsche !!! - vorbei spaziert und uns beiden erklärt, dass das alles so nicht geht.
Im Nachhinein ist das natürlich ganz offensichtlich und alle greifen sich an den Kopf - weil, wie kann man denn auf den Worlds seine Karten nicht kennen und so..., allerdings ist das ja nicht unbedingt die erste Situation, wo ich in einem - durchaus relevanten Turnier - mal etwas nicht weiß, was - außer Level-3-Judges - keiner weiß, dies aber auffällt...
Zur Erklärung: Mit Teferi auf der einen Seite, kann ein Zepter auf der anderen zwar durchaus aktiviert werden, allerdings wird so ein Stack aufgebaut, auf den normalerweise der Zepterspruch quasi drauf gespielt wird. Nun muss ein Spruch, um auf einen bestehenden Stack gespielt werden zu dürfen, jedoch Instant-Geschwindigkeit besitzen, die Teferi halt verbietet.
Klingt logisch, allerdings nur, wenn man auch darüber nachdenkt, was in all den Testpartien scheinbar niemand gemacht hat, obwohl diese Situation durchaus aufkam. Auch Sean, der ja nun wirklich kein völliger Anfänger ist, schien davon recht überrascht zu sein.
Wie gesagt, sicher keine Entschuldigung, aber vielleicht wenigstens eine Erklärung.
Zurück zum Spiel: Ich lege zu Teferi einfach Szepter mit Chant und gewinne. Wie spannend.
In Spiel 2 vernichtet ihn Engineered Explosives für 0, da seine Manabasis aus Land - Mox - Mox besteht. Die Manabasis des Decks ist eigentlich sehr ordentlich, allerdings gibt es da immer wieder Geschichten...aber dazu später mehr...

8-7, 18-18

Runde 16: Walls, Gabe [USA]

Als sich die Luft verdunkelt und auch massiv verschlechtert, weiß ich, dass mein Gegner eingetroffen ist. Man muss ja fairerweiße sagen, dass sich die Hygiene auf Turnieren durchaus verbessert hat. Mit einer Ausnahme: Gabe Walls.
So nehme ich es meinem Deck auch nicht wirklich übel, dass es völlig geschockt zunächst mit einem Doppelmulligan beginnt und auch sonst Gabes perfekten Ichoriden-Start aus Mox-Zombie-Infestation usw. nichts entgegenzusetzen hat.
Nach dem Boarden wird es dann deutlich spannender. Er hat wieder die Erstrunden-Zombies, die mich ziemlich unter Druck setzen, zumal sich recht schnell multiple Ancient Grudges in seinem Friedhof einfinden und so meine Zepter für den Moment ausschalten. Mit Hilfe einiger wilder Aktionen gelingt es mir zwar, noch eine Weile am Leben zu bleiben, allerdings will sich kein siegbringender Wunsch (auf Brain Freeze!) zeigen.
In beiden Spielen war ich übrigens ohne Trinket Mage oder Tormod's Crypt unterwegs, die ja gerade in diesem Matchup mal ganz schön was gekonnt hätten...

8-8, 18-20

Damit sind auch alle theoretischen Möglichkeiten auf eine Geldplatzierung dahin. Aber noch nicht die Aussicht auf ein positives Gesamtergebnis.

Runde 17: Camangon, Gerald C. ™ [PHL]

Gerald C., Star der Philippinen, spielt endlich mal ein Boros, wenn auch in einer etwas restaurationswürdigen Variante, also mit Kataki, Goblin Legionnär usw.
Das erste Spiel läuft wie so oft: Seine ersten Männer hauen mich ein wenig, bis ich ein Szepter (in diesem Fall mit Fire/Ice) auf den Tisch bekomme und so die Männer abstelle. Daraufhin muss er natürlich in den Brandmodus übergehen, was je nachdem reicht - oder auch nicht, wie in diesem Fall.
Nach dem Sideboarden sollten gerade die Condemns durchaus hilfreich sein - das gilt allerdings auch für seine Disenchants, die im Doppelpack für meine beiden Szepter auftreten und so das Spiel gewinnen.
Das dritte beginnt erneut mit einem Doppelmulligan für mich. Ich halte dann Artefaktland, Mox und es kommt so, wie es halt kommen muss - er knallt mir direkt den Kataki vor die Nase und ich schiebe spätestens in der folgenden Runde zusammen, als auch noch der Dwarven Blastminer hinzukommt, der meine Chancen, in den nächsten Runden auf mehr als 1 Mana zu kommen, weiter - und mittlerweile kann man schon sagen: drastisch - verringert.

Aber Boros ist auch viel zu stark, wie der Kai lautstark erkannte, nachdem auch der 42. seiner Psychatogs einfach am Sudden Shock starb...

8-9, 19-22

Gut, dass wir mal über das positive Ergebnis gesprochen haben.

Runde 18: Li, Cheuk Yin ™ [HKG]

Das große Finale...leider etwas bedeutungslos...
Das Würfeln verliere ich mit 19-20 und alle HSV-Fans können wohl nachvollziehen, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe.
Yin ist jedoch der Gifts-Rock-Spieler, eines der wenigen Matchups, wo der Würfelwurf nicht ganz so wichtig ist.
Er macht dann all die lustigen Sachen, die der Rock-Magier so macht, ohne das etwas Relevantes auf dem Tisch passieren würde, bis sich die guten blauen Karten aus dem - mittlerweile heran gesuchten - Topf ziehen lassen und in aller Gemütlichkeit der Lock ins Spiel kommt. Spiel 2 verläuft ganz ähnlich und somit stehe ich immerhin ausgeglichen.

9-9, 21-22

Insgesamt wird das Platz 171, immerhin 4 Plätze vor dem Kai (und der hatte immerhin Mana Crypts im Deck - zumindest laut Deckliste).

Doch der eigentliche Wettkampf stand ja noch bevor: Das Trivia Quiz mit Mark Rosewater.
Wer sich - wie ich im Vorfeld - da jetzt einen professionellen Ablauf erwartete, sah sich getäuscht. Als die Uhr 9 schlug, standen wir ziemlich ratlos in der Halle und schauten uns um, wo dieser Event stattfinden würde. Das wäre noch deutlich beunruhigender gewesen, wenn es nicht anderen - allen voran dem MaRo selbst - ebenso gegangen wäre.
Nach kurzer Diskussion wurden dann einige Sideevent-Tische gefunden und okkupiert. Der Rosewater Mark packte dann ein paar übriggebliebene Seiten Druckerpapier aus, die er in aller Gemütlichkeit zerriss, um sie als unkopierbare Antwortkarten zu benutzen...
Der Rest erinnerte dann auch eher an einen lustigen Skatabend, zumal der Meister aller Karten im regelmäßigen 5-Minuten-Takt vom stimmgewaltigeren Judge unterbrochen wurde Side Event Draft Nr. 106...
Die Fragen selbst sind ja schon in einigen Artikeln zu lesen gewesen. Wir waren nicht mal schlecht, leider wurden wir durch die Härte des Formats schnell ins Draw-Bracket gezwungen, wo wir im Sumpf der Storybuchleser aufgerieben wurden...
Trotzdem ein Heidenspaß, gerade auch durch die lockere Atmosphäre, die noch ungezwungener wurde, als der Sideevent-Judge irgendwann die Notwendigkeit der Tische erkannte und diese für sich beanspruchte...
Im Finale zeigte dann der Trash mit seinen Mannen dem Mark und den dazu gerufenen Aaron Forsythe, wie viele Cycles sie in TimeSpiral wirklich verzapft hatten - was in der Praxis so aussah, das die beiden Chef-Designer in einem kleinen Büchlein blätterten und mit einigen "Ooh"s und "Aah"s immer mehr Sachen über ihre Edition lernten...

Damit war die WM aus magictechnischer Sicht für mich beendet. Doch das bedeutet nicht, dass die Reise schon zu Ende war...


Michael Diezel, 25. Dezember 2006


Kommentar von BodoR am 26. Dezember 2006

Hervorragende Serie, Schade dass es nicht zu mehr gereicht hat angesichts der überragenden Testergebnisse :-)
Kai hat glaube ich mind. 3-3 mit seinem Tog gespielt
es klingelt^^ bis denn :-)

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