Leipziger Allerlei Part XXI
Diesmal mit einer L.O.S.T. - Sonderausgabe, also dem Rückblick auf ein Standardturnier mit sowohl quantitativ (33 Spieler) als auch qualitativ recht ordentlicher Beteiligung - zumindest für unsere Region.
Ein guter Start wäre jetzt ein Deckbreakdown, den ich allerdings aufgrund der ungefähr 20 verschiedenen Decks, die gespielt wurden, für nicht sonderlich sinnvoll erachte. Wäre halt ein leckeres Kuchendiagramm mit einzelnen Stückchen, die wirklich niemanden satt machen würden. Trotzdem kann man natürlich ein paar Punkte erkennen, die das sächsische Metagame betreffen:
1) Im Osten liebt man es, ordentlich anzugreifen. Aggro-Decks sind also - mal wieder - klar in der Mehrzahl gewesen. Besonders die Varianten mit Grün (also GR, MonoG und GW) waren recht häufig anzutreffen, aber auch kleine weiße und schwarze Männer in allen (Misch-)Varianten gab es reichlich.
2) Daraus ergibt sich dann ein recht logisches Abschneiden der anderen Decks: Während die ausgewiesenen Anti-Aggro-Decks wie das RWU-Engel und ProjectX je zweimal in den Top8 vertreten waren (bei jeweils 3 Spielern, die es pilotierten), versagte blaue (Tron)Kontrolle völlig.
3) Apropos Blaue Kontrolle. Die scheinbar in allen Winkeln der Welt dominanten Insel-Decks sind in Sachsen wiederholt kaum anzutreffen gewesen. Neben der schon angesprochenen Aggro-Lastigkeit des Metagames, welche sich gerade für die Tron-Decks ziemlich herausfordernd gestaltet, fehlen mir ein bisschen die Erklärungen.
Ich meine, bei einigen Dresdner Sportskameraden könnte man vielleicht noch das dringende Bedürfnis nach Bier und Zigarette anführen...
4) Langweilige Netz-Decks, an denen man nur schwer eine eigene Note hinzufügen kann (Dragonstorm z.B.), sind uns Sachsen zu langweilig. Dafür gibt es...
5) ...eine Menge wilder Eigenkreationen, deren Grundideen sogar oftmals ziemlich brauchbar sind. Leider fehlt es meist noch an der Feinjustierung bzw. am Potential für die größeren Erfolge, aber nur so erhalten auch Karten wie Teferi's Puzzle Box, Panglacial Wurm, Battle of Wits und - natürlich! - Blackmail ein Heim.
Eine Deckliste möchte ich dann doch ganz gerne mal etwas näher beleuchten, da Mario Schmidt damit nur knapp an den Top8 vorbei schrammte:
- 'Loambind'
- 4 Flagstones of Trokair
- 4 Terramorphic Expanse
- 4 Temple Garden
- 1 Sacred Foundry
- 1 Snow-Covered Forest
- 2 Snow-Covered Plains
- 1 Snow-Covered Mountain
- 1 Pendelhaven
- 1 Vitu-Ghazi, the City-Tree
- 1 Mouth of Ronom
- 1 Selesnya Sanctuary
- 1 Ghost Quarter
- 4 Weathered Wayfarer
- 4 Vinelasher Kudzu
- 4 Loxodon Hierarch
- 2 Giant Solifuge
- 1 Panglacial Wurm
- 1 Firemane Angel
- 4 Stormbind
- 3 Life from the Loam
- 4 Call of the Herd
- 3 Faith's Fetters
- 2 Worship
- 3 Mana Tithe
- 3 Temporal Isolation
- Sideboard:
- 2 Giant Solifuge
- 1 Panglacial Wurm
- 1 Mana Tithe
- 2 Condemn
- 3 Magus of the Tabernacle
- 4 Disenchant
- 2 Naturalize
OK. Das sieht ganz schön nach Haufen aus. Allerdings gibt es ein paar Synergien, die doch dazu beitragen, ein wenig umzudenken. Prinzipiell werden hier die Länder zum Hauptthema gemacht, die man idealerweise mit dem in Runde 1 gespieltem Wayfarer beliebig heran suchen kann.
Damit dieser auch was macht, wenn man überraschenderweise den Würfelwurf gewonnen hat, gibt es zunächst die Expansen, die in bester Fetchland-Tradition ihren Opfereffekt auf den Stapel legen und gleichzeitig verschwinden, so dass der kleine Mann noch schnell suchen darf. Ähnlich verhält es sich mit den legendären Flagstones, die bei Doppelkopie sterben und damit einen Trigger auslösen, auf den der wettergegerbte Man gerade gewartet hat. Theoretisch klappt das auch mit dem Ghost Quarter. Natürlich kann man auch einfach ein Bounce Land spielen, ohne die Quantität der zählbaren Länder zu erhöhen. Ganz schön gut also der kleine Drecksack.
All die tollen Dinge nutzt auch das (?) Kudzu, welches in jedem der genannten Fälle gleich doppelt wächst. Teilweise durchaus überraschend übrigens, wenn z.B. ein in Runde 2 mit Flagstones gespielter Kudzu plötzlich +3/+3 erhält. (+1/+1 für weiteres Flagstones, +2/+2 für die jeweils gesuchten Ebenen).
Die Frage ist dann, was man mit den ganzen rausgesuchten Ländern macht. Mario hat sich dafür entschieden, sie wieder abzuwerfen und zwar mit Hilfe von Stormbind. Die theoretische Kombination dieser Verzauberung mit Life from the Loam ist ja schon beim Erscheinen von Time Spiral in Erwägung gezogen und hier jetzt endgültig ausprobiert worden. Der Abwurf-Teil wiederum funktioniert wunderbar mit dem Firemane Angel, sowie der Rückblende des Calls. Ein besonderes Schmankerl ist dann noch der fette Wurm, welcher - wenn nicht (wie in der Praxis natürlich fast immer) auf die Hand gezogen - teilweise sehr überraschend und aus dem Nichts auftauchen kann. Gerade end of turn aus einer Expanse gezogen und damit mit Pseudo-Haste ausgestattet, sind 9 Schaden nicht wirklich zu verachten...
Der Rest des Decks ist dann hauptsächlich darauf angelegt, am Leben zu bleiben, wobei der Mario - als Spieler alter Schule - nicht ganz auf die Kombination unbezielbarer Mann (die Spinne) + Worship verzichten wollte.
Die Matchups sind dann auch recht ordentlich gegen Aggro und teilweise Kontrolle. Wobei Letzteres meist schlechter wird, wenn die Gegner eine Vorstellung davon haben, was sie erwartet. Ganz schlecht sind Kombo-MU, weil einfach sowohl Speed als auch Disruption fehlen, um sich in den Plan des Gegners einzumischen.
Wer dieses Deck mal ausprobieren möchte, kann ja mal über folgende theoretische Überlegungen nachdenken:
1) Die Manabasis - Ich würde wohl noch 1-2 Bounceländer hinzufügen, da diese wunderbar mit dem Rest synergieren und das fehlende Tempo eigentlich kein Problem sein sollte. Auch über ein Sunhome würde ich nachdenken - das ist schnell rangesucht und kann gerade mit einem gewachsenen Kudzu erstaunlich Betrieb machen. Als Letztes denke ich, dass 2 Forests auch besser sind als 2 Ebenen (man hat ja 4 Flagstones).
2) Nicht so richtig überzeugt bin ich ansonsten von Worship und Spinne. Abgesehen von der dieser Kombination immer vorangestellten Sinnfrage, mag ich besonders die Aufteilung 2-2 nicht, da man - das lehrt die Praxis - immer die Spinne gegen Aggro und Worship gegen Kontrolle zieht und nie beide zusammen. Dementsprechend würde ich entweder verstärkt mit einer Komponente starten (und die andere in den passenden MU entweder dazu oder statt dessen boarden) oder ganz darauf verzichten und lieber etwas völlig anderes spielen. (Z. B. mehr Engel, die ich mit unendlich Mana und verschieden Varianten, sie in den Friedhof zu bekommen, ziemlich gut finde oder einfach die Helix, die ich wohl sogar der Isolation vorziehen würde.)
3) Überhaupt nicht gefallen hat mir auf jeden Fall das Sideboard. Eine Menge Karten für das Beatdown-MU (eh schon sehr gut) und für Kontrolle nur eine Unmenge an Disenchants (die gegen Dralnu bspw. gar nichts machen), das sollte man noch einmal komplett überarbeiten.
Am interessantesten waren sicherlich die Decks von Altmeister Pickert und Thomas Steeger. Ersterer ersetzte beim handelsüblichen Mono-G einfach aus Gründen der Verfügbarkeit (oder besser dem Mangel an eben dieser) die eine oder andere Karte durch ähnlich geartete Exemplare. Dass dabei Might of Oaks in diesem Metagame wahrscheinlich sogar besser war als Stonewood Invocation ist halt dem besonderen Händchen der Erfahrung zu verdanken. Der eigentliche Star des Decks war jedoch sicher Sheltering Ancient, dessen einzige Funktion (so Janko) sein fester Platz im Sideboard für absolut jedes Spiel 2 (und 3) war. Tja, wo sind die Chrome Moxe, wenn man sie braucht.
Thomas hingegen hatte sich dem guten Boros zugewandt und wahrscheinlich (wie so viele) festgestellt, dass ein Sulfur Elemental ungefähr die komplette weiße Armee alleine zerlegt. Anderes Personal musste also her und wurde mit den gruppenbildenden Remasuris auch gefunden. Insgesamt 16 dieser drolligen Gesellen durften schließlich mitspielen, wobei ich gerne wüsste, ob jemand in diesem Deck auch mal den Bonesplitter Sliver ausprobiert hat. Ansonsten gibt es halt eine Menge Brand und Calciderm und den eigentlichen Feind des Decks, das Elementarwesen selbst, welches ja durchaus auch mal einen positiven Pumpeffekt für die weißen Knaben haben kann (und ja auch so nicht ganz schlecht ist...).
Soweit also zu den Decks. Von den Spielen habe ich leider nicht so wahnsinnig viel mitbekommen, lediglich die Finalrunde konnte ich teilweise verfolgen. Dabei war zunächst das ProjectX-Mirror interessant, da dort durch die diversen Interaktionen der Kreaturen auf beiden Seiten ziemlich große Stacks mit unendlich vielen Triggern entstanden - besonders immer dann, wenn ein Crypt Champion ins Spiel fand. Entschieden wurde dieses Duell der Martins letztendlich durch einen recht lucky einfach gezogenen Pontiff des Herrn Attar, der quasi den einseitigen Zorn Gottes (oder Damnation wie man heutzutage eher schreiben sollte) simulierte.
Eben dieser Herr Attar schaffte es dann auch im Halbfinale gegen den Axel Winkler, sein Lebenspunkte-Konto in den achtstelligen Millionenbereich (nur geschätzt) zu schrauben, wodurch der Axel logischerweise gezwungen wurde, seinen 48 - 47 Bibliotheksstapelvorsprung ins Ziel zu bringen. Das gelang ihm nicht, wie ungefähr 90 Karten (und auch 90 Minuten) später klar wurde. Ein Hoch auf Finalrunden ohne Zeitbegrenzung.
Das Finale selbst war dann recht unspektakulär (...) und am Ende hieß der erste LOST-Sieger Torsten Anders.
Zum Schluss würde ich gerne noch auf einen Punkt zu sprechen kommen, den ich gerade mit dem Martin Golm diskutiert habe: Die Preise für die Gewinner bei solchen Turnieren.
Unsere Überlegung war es, dort ein wenig aufzupeppen, indem wir etwas Besonderes finden, was gerade unsere sächsischen Turniere noch einmal attraktiver und auch lokaler machen soll. Einfachste Möglichkeit wäre natürlich so was Bescheidenes wie ein Mox oder ein Kleinwagen, aber realistisch ist das (für den Moment :)) erstmal nicht.
Daher konkret der Vorschlag, dass der Gewinner, sowie der/die Nächstplatzierten ein besonderes T-Shirt erhalten, welches (ähnlich dem Gewinn der Champions-League beim Fußball bspw.) ein - für Eingeweihte - erkennbares Symbol trägt und ansonsten über eine Eigenschaft verfügt, die man allen anderen Magic-T-Shirts eindeutig absprechen kann: Es wird modisch und damit auch in der Öffentlichkeit tragbar sein...
Finanziert werden könnte dies über geringe Einbußen bei der Booster-Ausgabe, ungefähr 4 für die Betroffenen. Bei diesem Turnier wäre es dann z.B. so gewesen, dass der 2. statt 17 Booster nur 12 + Spezial Shirt bekommen hätte.
Wie gesagt, das ist nur ein Vorschlag, bei dem mich mal Eure Meinung interessieren würde.
Ansonsten sei noch auf den National Qualifier Sachsen, ehemals Regionalmeisterschaften, ehemals Sachsenmeisterschaften hingewiesen, die - wie im letzten Jahr - in Leipzig Paunsdorf vom Mysteria veranstaltet werden. Termin ist der 2. Juni, diesen Tag also unbedingt fett anstreichen. Ob es davor noch die Dresden Open gibt, scheint zur Zeit - leider - etwas zweifelhaft.
Auf jeden Fall gibt es wohl noch ein Prerelease für die meisten von Euch. Dafür wünsche ich viel Freude & Erfolg.
Bis demnächst, wo ich das wirklich und absolut beste Block-Deck vorstellen werde...
Der MiDi ;-))




Kommentar von Mario am 16. April 2007
Netter Artikel, besondern die Metabeschreibung find ich sehr gelungen.
Ich würde eigentlich auch gerne schreiben, was ich mir bei meinem Deck gedacht habe, aber dafür eröffne ich lieber demnächst einen Thread im Werner Forum. Und ich würde dich zu der Deckdiskusion gerne einladen, MiDi.
Kommentar von ArgV am 16. April 2007
Hi Midi,
coole Sache, dass ihr euch für meinen Turnier-Namensvorschlag entschieden habt :-)
Kommentar von Demogorgon am 16. April 2007
Wie jetzt? Magicshirt-modisch-anziehbar? Das wär ja was ganz neues! Bin dafür!
Kommentar von Der MiDi am 17. April 2007
Lieber ArgV, Du hast Dir damit ja auch einen Sonderpreis :) verdient, allerdings bräuchte ich da einen kleinen Hinweis auf die Identität...
Kommentar von gromph.baenre am 17. April 2007
Das feine Sliverdeck vom Thomas ist kein Borosdeck und sollte nie eins sein, es spielt halt einfach nur die effizientesten Sliver und wird mit guten Karten aus den entsprechenden Farben abgerundet. Der Bonesplittersliver hat es nicht ins deck geschafft weil der dann doch etwas zu teuer ist.
Kommentar von Nachtmacher am 17. April 2007
Wie jetzt, du kennst das beste Block-Deck und hast mir's noch nich verraten...? ;o) Gelungener Artikel!
Alex
Kommentar von BiJay am 18. April 2007
Das mit dem T-Shirt würde mir auch gefallen. Ich könnte es (theoretisch) auch gestalten, bräuchte dafür aber Rücksprache.
Kommentar von der Axel am 18. April 2007
Grrrrr, ich grummele noch immer über die vergeudete Zeit im Halbfinale!
Cooler Artikel!
Kommentar von Comodo am 19. April 2007
Ich bin gegen T-Shirts, lieber geld oder einzelkarten, das lockt mehr leute an :D. und die hübschen hefter können auch beibehalten werden. btw: beim nächsten mal flieg ich nicht schon im halbfinale raus(ich verprechs ;)MfG der Ich