Kai und Siggi gehen fischen
"Spiel Zauberer!" - MiDi, Litanei
Sind es jetzt die Zauberer oder die Meervölker, die mich in den zweiten Tag des Grand Prixs Krakau gebracht haben? Jeder Aussenstehende würde auf Meervölker tippen, doch historisch gesehen sind es Zauberer. Begonnen hat es beim Extended-PTQ Leipzig. Der Michael Diezel (im weiteren MiDi), unser weit über die sächsischen Landesgrenzen hinaus bekannter resident genius, drückte mir einfach ein Zaubererdeck in die Hand, was sich dann auch ganz beachtlich schlug. Zum Block-PTQ Berlin brauchte ich wieder ein Deck. Wieder hörte ich auf die Einflüsterungen - mit dem Katastrophen-Resultat 0-3 drop. Mein schönes Rating-Bye war futsch. Trotzdem wollte ich mir natürlich einen Grand Prix an einem exotischen und - wichtiger - auf dem Landwege erreichbaren Ort nicht entgehen lassen. Und wieder fragte ich unseren resident genius nach der richtigen Deckwahl. Seine Antwort-Mail enthielt nur einen Satz:
"Hehe, ich bastle schon wieder an Zauberern, diesmal mit Unterstützung von Meervölkern...obs was wird ???"
Nein, das konnte nicht sein. Nicht schon wieder Zauberer. Auf den States gab es dann aber doch einige erfolgreiche Meervolk-Listen - und tatsächlich mindestens eine davon mit Kai. Im MWS-Solo-Modus fühlt sich dieses Deck tatsächlich schon recht flüssig an und so begann ich schon mal vorsichtshalber, mir die entsprechenden Karten zusammenzuborgen. Donnerstagabend vor dem Turnier wird es dann Zeit, auch wieder echte Karten in die Hand zu nehmen. Ich treffe mich mit Mike, der früher bei irgendwelchen Grand Prixs auch schon auf Tag 2 gespielt hat und der dieses Mal nebenbei auch den polnisch-sprechenden Reiseführer geben wird.
Der Mike hat einige auf den States erfolgreiche Decks zusammengebaut und wir können uns einen ersten Überblick über funktionierende und nicht funktionierende Dinge verschaffen. Unter anderem beeindruckt das Meervolk-Deck und ich entscheide mich endgültig. Diesmal werde ich Meervölker spielen, keine Zauberer. Der Abend wird unerwartet lang und am nächsten Tag geht es früh los.
Stand seit Donnerstag früh: Wach 16h, Schlaf 5h
Freitag kurz vor 8 versammelt Mike dann seine Reisegruppe von 21 Sachsen und einem Potsdamer Bremer am Dresdner Hauptbahnhof, gibt noch einige letzte Tips über das Verhalten, die Sprache und die Währung im Ausland und ab geht die Reise. Im Zug ist dann natürlich nur noch Testen angesagt. Ich streite mich mit MiDi noch um einige Details, lasse mich von der Unnötigkeit von Ancestral Vision überzeugen, überzeuge ihn im Gegenzug von Cryptic Command und verliere derweil ein Testspiel nach dem anderen. Da das so nicht weitergehen kann, schaue ich also lieber aufmerksam zu, wie der MiDi die Meervölker gegen dieselben Decks zu Sieg um Sieg führt.
Letztendlich werden sich in den 9 Stunden Zugfahrt insgesamt 4 Leute finden, die allesamt folgende Meervolk-Liste spielen:
- 4 Unsummon
- 4 Tideshaper Mystic
- 4 Lord of Atlantis
- 4 Silvergill Adept
- 4 Merrow Reejerey
- 3 Voidmage Prodigy
- 3 Sygg, River Guide
- 3 Summon the School
- 3 Psionic Blast
- 3 Cryptic Command
- 2 Oblivion Ring
- 3 Faerie Conclave
- 1 Windbrisk Heights
- 4 Wanderwine Hub
- 4 Adarkar Wastes
- 1 Plains
- 10 Island
- Sideboard:
- 4 Sunlance
- 2 Condemn
- 2 Pact of Negation
- 4 Burrenton Forge-Tender
- 2 Rebuff the Wicked
- 1 Ajani Goldmane
Die Sideboards variieren in einigen Details, die wichtigen Teile (Sunlance, Pact of Negation) sind jedoch in allen Boards vorhanden.
Wie aber spielt sich das Deck nun? Als Tribal-Deck gehört es natürlich zum Aggro-Typ. Ein dabei herrausragender Vorteil der Meervölker gegenüber anderen Tribes ist die Verfügbarkeit zweier Lords in den richtigen Manaslots (Kithkin hat einen billigen, die Elfen und Goblins je zwei teure). Dementprechend ist es gar nicht so unwahrscheinlich, in der 4.Runde ein Spiel gegen die Wand zu beenden. Man legt in der ersten Runde Tideshaper Mystic und dann jede Runde einen Lord. Das hätte man den kleinen Jungs auf den ersten Blick gar nicht zugetraut. Nun sind Gegner natürlich keine Goldfische, Wände oder ähnliches. Spielt der Gegner jedoch auch Inseln, sieht es schon ganz gut für die Meervölker aus. Das Mirror klammern wir mal aus, andere aggressive blaue Decks gibt es nicht, Turnier-Combo ist gerade keine bekannt und gegen Kontrolle ist nicht etwa die eventuell vorhandene Inseltarnung wichtig, sondern es sind die Fähigkeiten von Kai und Siggi, die gegnerische Defensivbemühungen zumindest erschweren.
Gegen aggressive Decks mit wenig Removal (Elfen, Kithkin) geht es immer nur ums Tempo. Wer es schafft, seine Hand als erster leerzuspielen, hat meist gewonnen. Dementsprechend sind Reejery und Unsummon die Schlüsselkarten, während man Kai und 4 Mana-Karten eher nicht sehen will. Nach dem Boarden wird es eventuell etwas kontrollastiger - jeder macht dann die Männer des anderen weg. Am Ende bleibt auf irgendeiner Seite irgendwas übrig - und dieses Etwas gewinnt dann eben. Gegen langsamere Decks wie z.B. Makeshift Mannequin hat man im ersten Spiel immer gute Chancen. Massremoval ist noch nicht zu befürchten und das Pointremoval ist meist zu langsam und kann obendrein mit Unsummon gut gecountert werden, ohne zuviel Tempo zu verlieren. Nach dem Boarden wird es schwieriger und man muss mit Glück die richtigen Antworten auf das jeweils gerade gespielte Removal auf der Hand haben. Zum Beispiel will man Rebuff the Wicked immer gegen Nameless Inversion spielen, gegen Shriekmaw hilft es aber leider nicht.
Aber zurück zur Praxis. Noch im Zug wird das Deck in Echt gebaut, alle Proxies verschwinden. Bis auf die 4 Unsummon. 23 Magicspieler haben alle möglichen und auch unmöglichen Rares mit, mehrere Thoughtseize und Tarmogoyfs sind übrig. Aber keiner hat auch nur einen Rückruf. Die Karte ist scheinbar nicht mehr so bekannt wie früher, selbst später im Turnier musste ich manchem Gegner erst erklären, was sie macht. Beruhigenderweise ist ja aber auf der Site ein Händlerstand, da wird es so eine räudige Common schon noch geben.
Abends wird dann weiter getestet - nämlich Bier und polnische Küche in der sehenswerten Krakauer Innenstadt. Der Nachhauseweg gestaltet sich dann zu einem Irrlauf, so dass wir wieder erst sehr spät in die Betten fallen.
Wach 35h, Schlaf 10h
Am nächsten Morgen stehen Menschenmassen am Händlerstand. Alle möglichen Karten sind schon ausverkauft. Auch Unsummon. Verdammter Mist. Überall wird gesucht, Krabbelboxen werden durchwühlt, wildfremde Leute angesprochen. Nichts, kein Unsummon, nirgends. In meiner Verzweiflung kaufe ich 4 Booster 10.Edition und finde... immerhin einen Boomerang. Spiele ich eben drei Wings of Velis Vel und einen Boomerang. Klingt auch nach Plan. Dann aber, als alles schon zusammenzubrechen drohte, hatte der Gunnar den rettenden Einfall: blaue 10.Edition-Themendecks. Der nette Händler öffnet sogar ein Themendeck, damit ich nachschauen kann, ob wirklich Unsummon drin sind. Sie sind es. 2 Stück sogar. 2 Themendecks kosten zusammen 20 Euro und schon habe ich mein Playset Unsummons. Damit ist es die teuerste Karte im ganzen Meervolk-Deck. Kudos an dieser Stelle an den Gunnar für diesen Einfall und für das geliehene Geld. Billiger hätte ich die Karten wohl nicht mehr gekriegt.
Nachdem sich die ganze Aufregung gelegt hat, geht es auch schon richtig los. Der Head Judge hält seine Ansprache, von der man wiedermal ca. die Hälfte nicht versteht. Viel, viel später werde ich erfahren, dass es die für mich wichtige Hälfte war. Das Turnier beginnt dann für mich im blauen Bracket - angenehm zügig. Ich sitze meinem Gegner gegenüber, wir haben gemischt und warten nur noch auf die Start-Ansage des Headjudges. Die kommt aber nicht, stattdessen kommt das Repairing. Warum das nötig wurde und was dann kam, kann man z.B. hier nachlesen. Nicht nur meiner Meinung nach hätte man da anders vorgehen sollen. Beispielsweise könnte man klar und deutlich darauf hinweisen, dass doch bitte jeder nochmal seine Byes checkt. Dann wartet man einfach 15 Minuten, wiederholt die Ansage, wartet nochmal und fängt dann an. Während der ersten drei Runden hat man dann genug Zeit, die Leute rauszufinden und zu disqualifizieren, die es dann immer noch nicht für nötig befunden hätten, sich ehrlich zu melden. So aber verzögert sich alles um 3 Stunden und Krakau fügt sich wieder nahtlos ein in eine lange Reihe katastrophal organisierter erster Grand Prix-Tage.
Runde 1: Dominik Olak [POL], UGW Blink
Das Aufbaumatchup zum Anfang. Und natürlich bekomme ich gleich gezeigt, dass 80/20 eben nicht 100/0 ist. Das erste Spiel beschert mir erst Mulligan und danach spiele ich den 5. Spruch, als ich auf 8 Ländern bin. Toller Turnier-Start. Aber trotzdem ist 80/20 immer noch 80/20 und in den beiden folgenden Spielen sterben seine paar Männer an den geboardeten Sonnenlanzen und seine Aven Riftwatcher kann ich umgehen.
1:0:0, 2:1
Runde 2: Tamás Horváth [HUN], Makeshift Mannequin
Beide Spiele waren sehr einseitig. Im ersten Spiel macht er Mulligan und ich danach 2 Silvergill Adepten. Im zweiten ist es ein Rebuff the Wicked, welches er sich erstmal durchlesen muss, bevor es den Kai retten darf, der daraufhin sämtliche gegnerischen Defensiv-Bemühungen im Keime ersticken kann.
2:0:0, 4:1
Runde 3: Petr Kadavy [CZE], RUW-Meerfolk-Angel
Sein Deck ist unklassifizierbar. Er ist jedenfalls der dritte Magier mit blauem Mana, allerdings der erste ohne Inseln. Er bevorzugt die schmerzafte Variante. Ich passe mich einfach an und spiele auch gleichmal ohne Inseln mit. Ein Wanderwine Hub und eine Adarkar Wastes ist aber auf Dauer sehr wenig und als er seinen zweiten Lightning Angel legt, brauche ich ganz dringend das dritte Land von oben für meine 2 Oblivion Ringe, die neben 2 Notfall-Unsummon auf meiner Hand rumgammeln.
Das dritte Land kommt auch von oben - Faerie Conclave.
Ein paar Flüche später lege ich das Land dann doch, geben ab und rechne mit einem schnellen Ende. Doch es passieren seltsame Dinge: statt anzugreifen, legt er erstmal Changeling Berserker (@Kofi: interessant, das er ihn gegen Dich nur im Sideboard hatte). Ich lese mir die Karte durch und entscheide dann: Notfall. Er nimmt es im Übrigen sehr gelassen - nur ein kleines 'Upps' begleitet den Berserker in den Graveyard. Ich an seiner Stelle hätte wohl Herztabletten gebraucht. Jedenfalls wird es dadurch und auch aufgrund seiner schmerzhaften Manabasis plötzlich spannend, da seine beiden wiedererscheinenden Engel in den beiden nächsten Runden in die Oblivion Ringe verschwinden. Schlussendlich bin ich bei 5 Leben und er zieht zu seiner Riftwing Cloudskate den dritten Engel. Er war bei 4 Leben und ich war mit meinen immer noch 3 Ländern zwar ausgetappt, hatte den Psi Blast aber schon auf der Hand.
Die beiden folgenden Spiele sind dann eher einseitig, mindestens einmal macht sich seine gewagte Manabasis bemerkbar und ihm fehlen entscheidende Manafarben.
3:0:0, 6:2
Runde 4: N.N. UB-Control
Das erste Control-Match gleich gegen den 3 Rating-Byes-Mann aus Italien (den Namen weiss ich nicht mehr, die Pairings auf der Wizard-Coverage sind für blaues und grünes Bracket die gleichen).
. Die ersten beiden Spiele tauschen wir ab und beginnen mit 5 Minuten Restzeit das dritte. Er spielt trotzdem sehr zügig und also fair. Eine Minute vor Ultimo gehe ich all-in und spiele in meiner 4.Runde dank M.Reejery alle Meervölker aus meiner Hand. Entweder hat er die Damnation sofort oder nie. Er hat sie.
3:0:1, 7:3
BTW: War das Anti-Stalling? Müsste ich bestraft werden? Ohne das Wissen um die knappe Rundenzeit hätte ich nie so aggressiv gespielt.
Runde 5: Davide Brambilla [ITA]
4:0:1, 9:3
Runde 6: Boris Klaric [HRV]
5:0:1, 11:3
Von beiden Runden weiss ich fast nichts mehr. Ein Gegner spielte Makeshift Mannequin, der zweite ein Elfendeck. Dieser zweite Magier war der einzige, dem ich am ersten Tag begegnete, der ohne blaues Mana unterwegs war. Nach der 6.Runde hatten die sächsischen Meervölker im Übrigen ihr Krakauer Allzeithoch mit einem kombinierten Match-Stand von 10:2:3.
Runde 7: Gaetan Lefebvre [FRA], UB-Control
Seine Deckvariante spielt Rune Snag im Maindeck, was meinen Meervölkern überhaupt nicht behagt. Er ist nie um eine Antwort verlegen und kann alles vom Tisch halten oder sofort abräumen. Zwischendurch nimmt er seine Karten immer wieder mal unter die Tischkante und mischt sie da ein bisschen. Nachdem er Karte für Karte alle Bedrohungen abarbeiten konnte, nimmt er sich mit Extirpate und Haunting Hymn meiner noch verbliebenen Handkarten an. Dagegen bin ich chancenlos. Vor dem Boarden bitte ich Ihn dann, seine Handkarten doch bitte in meinem Sichtfeld zu halten. Er akzeptiert, kramt dann aus dem Rucksack zwischen seinen Beinen sein Sideboard hervor und wir boarden.
Im zweiten Spiel überrenne ich ihn kurzerhand, nachdem er in der 4.Runde keine Damnation hat. Im dritten Spiel kann er meine ersten Männer wieder countern, dann machen wir beide lange Zeit nicht viel. In diesem Spiel macht sich die fehlende vierte Faerie Conclave bemerkbar. Insgesamt greift mein einsamer, übriggebliebener Silvergill Adept 6 mal ungehindert an, aber eben auch 6 mal allein. Auf Dauer ist das natürlich zu wenig.
5:1:1, 12:5
Runde 8: Christophe Gregoir [BEL], Makeshift Manequin
Wieder ein unspektakuläres erstes Spiel. Ich kann kompromisslos alle Kreaturen rauslegen, er kommt mit dem Removal nicht hinterher und wir sideboarden. Im zweiten liege ich im Tempospiel immer hinten und ein Shriekmaw-Manequin verhaut mich. Im dritten Zug des dritten Spiels mache ich einen entscheidenden Fehler, als ich mit Oblivion Ring seinen Epochrasite entferne, statt eine Merrow Reejery zu meinem Silvergill Adepten hinzuzulegen und anzugreifen. Irgendwie hatte ich Angst vor einem 4/4 Epo. Durch diesen Fehler verliere ich jedoch meinen Tempovorteil (3-Mana-Removal gg. 2-Mana-Mann). Zu allem Überfluss bleibe ich dann auch noch rundenlang auf 3 Ländern hängen. Der Spielverlust passierte jedoch schon im 3.Zug. Manchmal ist Magic eben doch ein Denkspiel.
5:2:1, 13:7
Nach der Runde bin ich über mich, das Deck, den Turnierverlauf und die Welt verärgert und droppe. Kofi und MiDi sind auch schon gedroppt und im Übrigen der festen Überzeugung, dass auch 19 Punkte bei 0 Byes für Tag 2 nicht reichen werden. Bleibt also Mike, der zwar schon nicht mehr um Tag 2 mitspielt, der aber als einiziger das Fähnlein der sächsischen Meervölker noch bis zum bitteren Ende in der alten polnischen Residenzstadt hochhalten will. Da es mit der Heimfahrt also soundso noch dauert und da der Mike mir auch noch gut zuredet, un-droppe ich eben wieder.
Vielen, vielen Dank an dieser Stelle auch mal an den Mike - für ganze 5 Stunden Schlaf und eine sehr erholsame Rückfahrt nach Dresden.
Runde 9: Karl Sarap [EST], Coalition-Control
Das erste Spiel spiele ich sehr vorsichtig und provoziere so wohl auch einige merkwürdige Spielzüge auf seine Seite, z.B. eine Void für 2 ohne Not, der nur einen gerade gelegten Kai erwischt. Auf meine Faerie Conclaven hat er keine nachhaltigen Antworten. Auch das zweite Spiel läuft gut an, er verpasst einmal einen Landdrop und ich habe einen druckvollen Start mit Meervölkern und Kai auf dem Tisch und Cryptic Command sowie Pact of Negation auf der Hand. Als er am Ende meines Zuges den Kai wegmachen will, kommt es zu einer umstrittenen Entscheidung meinerseits. Statt einen Tideshaper Mystic zu opfern, nehme ich gleich das Cryptic Command und countere dann die erwartete Damnation mit Pact. Die darauffolgende Runde bin ich aufgrund des Pactes ausgetappt, kann ihn aber auf 2 bringen. Er hat noch ein Pyroclasm und für meine Faerie Conclave eine Nameless Inversion, die ich aber mit Unsummon countern kann. Alle Zuschauer - mich eingeschlossen - waren nachher der einhelligen Meinung, dass es besser gewesen wäre, das Cryptic Command noch aufzuheben. Nach längerem Nachdenken bin ich mir dessen aber gar nicht mehr so sicher, da ich durch das dann notwendige Opfern zweier Zauberer viel von meinem Angriffsschwung verloren hätte. So blieb die Faerie Conclave als zwar nicht hundertprozentige, aber doch zwingende Bedrohung zurück und machte schliesslich auch den Sack des ersten Tages zu.
6:2:1, 15:7
Nach dem Spiel musste ich nun also doch noch eine ganze Weile zwischen Bangen und Hoffen ausharren. Im grünen Bracket waren einige Spieler mit 19 Punkten am Opponent Score gescheitert. Letztendlich blieb dieses Schicksal jedoch mir und allen anderen Spielern im blauen Bracket erspart, die Grenze zwischen 19 und 18 Punkten befand sich genau zwischen 64. und 65. Spieler.
Insgesamt sind 3 Sachsen im zweiten Tag. Da nach Mitternacht der ÖPNV nur noch sehr spärlich fährt, greifen wir uns ein Taxi und düsen ans andere Ende der Stadt, um wenigstens noch ein bisschen zu schlafen. Krakauer Taxis erweisen sich als ausgesprochen preiswert und also zogen wir zu dritt am nächsten Morgen gleich wieder die Taxi-Option, um wenigstens eine viertel Stunde länger schlafen zu können.
Wach: 54h Schlaf: 15h
(nicht vorhandener Einschub: wann immer man Tag 2 auf einem Grand Prix macht, steht man so unter Strom, dass ein "zwischen den beiden Tagen" nicht existiert)
Runde 10: Robert Lippmann [DEU], Mono-Black-Aggrocontrol
Na klar, gleich Sachsen gegen Sachsen. Das Matchup ist eigentlich recht gut für mich. Im ersten Spiel läuft bei ihm nicht viel zusammen, da er auf Loxodon Warhammer gefloodet ist. Im zweiten bin ich dagegen chancenlos. Im dritten Spiel kann ich zwar Druck aufbauen, mehrere Tendrils halten aber meine Angreifer auf und seine Lebenspunkte hoch. Zwischendurch bin ich sogar gezwungen, einen Psi Blast in seine Augure abzuwerfen. Das Spiel entgleitet mir immer mehr, die per Graven Harvest zirkulierende Augure zwingt mich, meine letzten Hankarten abzuwerfen, wodurch ihn mein zweiter Psi Blast nur auf 1 bringt und ich in seinem Angriff schon auf 4 falle. Keine Handkarten, keine Kreaturen, da hilft nur Psi Blast von oben. Es war der dritte und letzte in einem Deck, das einfach nicht verlieren wollte.
7:2:1, 17:8
Runde 11: Willy Edel [BRA], BG-Elfen-Garruk
Er gewinnt den Würfelwurf. Im Aggro-Matchup natürlich schonmal schlecht für mich. Erste Runde Elf, dritte Runde Garruk ist dann noch schlechter und gegen den Overrun zwei Runden später mache ich nichts.
Im zweiten Spiel habe ich auch den guten Tempo-Draw, kann seinen Vanquisher zweimal mit Unsummon vom Tisch halten und in meiner 4.Runde seinen Garruk per Angriff ausschalten. Das dritte beginnt wie das erste Spiel. Hier begegnet mir dann das schon von MiDi vorausgesagte Phänomen bzgl. Cryptic Command im Aggro-Matchup: ich kann mit meinen zwei im Deck verbliebenen Cryptic Commands zwar zweimal seine Männer vom tödlichen Angriff abhalten, mache aber zwischenzeitlich nichts anderes mehr, während seine Seite des Tisches immer voller und letztendlich unaufhaltbar wird.
7:3:1, 18:10
Runde 12: Nikolas Labahn [DEU], Makeshift Manequin
Wir haben eine kurze Diskussion über meine Würfelwurf-Technik, nachdem mir der Würfel mehr aus der Hand fällt statt rollt und eine 20 zeigt. Letztendlich können wir uns aber gütlich einigen und würfeln nochmal. So bewusst habe ich noch nie gewürfelt. An die Spiele selbst kann ich mich nicht mehr erinnern. Erstaunlicherweise gewinne ich aber das Match, obwohl ich das erste Spiel verliere.
8:3:1, 20:11
Runde 13: Alexander Wechsel [DEU], Uw-Pickles
Das Matchup ist nun tatsächlich nahe 100/0. Alexander teilt diese Einschätzung und macht auch für die Umstehenden keinen Hehl daraus, als er das erste Meervolk sieht. Zu allem Überfluss muss er sich auch noch bestätigen lassen, dass mein Tideshaper Mystic seine Desert lahmlegt.
Im zweiten Spiel wird es nur einmal kurz spannend, als er erst meinen Kai bouncen kann und dann Teferi's Moat legt. Aber da hab ich schon 4 Mana offen und Cryptic Command auf der Hand.
9:3:1, 22:11
Runde 14: Krzysztof Wysoczanski [POL], RDW
Da hat man sich nun 13 Runden lang durchgekämpft und ist eigentlich der festen Überzeugung, dass inzwischen alle roten Decks irgendwo an Tarmogoyfs hängengeblieben sind. Und dann das. Wie schon das vorige Match ist auch dieses bei gefühlten 100/0. Nur eben andersherum. Aber wie ich schon in Runde 10 erstaunt beobachten konnte, weigert sich mein Deck immer noch zu verlieren und schaltet mich auf Autopilot. Plötzlich habe ich 3 Lord of Atlantis auf dem Tisch (der vierte ist schon im Friedhof) und das ist selbst für RDW eine harte Ansage. Danach liess das Deck mich dann wieder eigene Entscheidungen treffen. Ein Fehler, denn einen Angriff später bemerke ich, dass ein Blocker für sein unter Aufbietung aller gegnerischen Ressourcen ins Spiel springende Gargadon gerade nicht schlecht gewesen wäre. Ach Deck, warum hatte ich keinen Unsummon mehr auf der Hand? (Ich weiß, ich hätte ihn nicht gebraucht.)
Auch im zweiten Spiel ziehe ich eigentlich die richtigen Karten: Sygg und mehrere Essenmänner aus Burrenton. Nur hat er das doppelte Ping-Land. Und das ist dann wirklich 100/0.
9:4:1, 22:13
Runde 15: Klaus Jöns [DEU], Faerie Control
Als ich an den Tisch komme, erwartet mich der Klaus schon - mit finsterem Blick. Und wer ihn kennt, weiss, was DAS bedeutet. Seine Mine hellt sich jedoch sofort auf, als er merkt, dass ich trotz meines Nachnamens nicht der random Amateur-Pole, sondern der random Amateur-Deutsche bin. Dem kann man nämlich recht einfach erklären, was dieses Spiel für einen selbst bedeutet - den Unterschied zwischen Pro Level 2 und Level 3. Und da ich soundso von dem vorherigen Spiel noch etwas angefressen bin, mir mein erster Pro-Punkt herzlich egal ist und ich außerdem nach all dem Pappkarten-Gemetzel die Chance für eine gute Tat sehe, gebe ich einfach auf.
Kinderleicht ist das.
Im Endeffekt werde ich 88. Kein wirklich berauschendes Ergebnis, wenn man den Zwischenstand vor der 14.Runde als Maßstab nimmt. Aber immerhin das zweite Mal hintereinander Tag 2 und auch aufgrund der kaum stattgefundenen Vorbereitung doch ganz zufriedenstellend.
Fazit 1:
Das Deck halte ich momentan für einen Geheimtip - solange das Metagame klar ist. Allerdings wird sich dieses weiterdrehen, Tarmogoyfs werden ob der schwarzen und blauen Decks langsam verschwinden, was dann wieder die roten Decks auferstehen lässt. Und in einem rot dominierten Metagame müsste man schon das Maindeck umbauen. Die erste Umbaumaßnahme ist das Entfernen aller blauen Karten.
Einige Karten sind allerdings auch im momentanen Metagame in Frage zu stellen:
Im Maindeck vor allem der oft sehr klobige Summon the School, den ich in 35 Spielen genau einmal recyclet habe und der gegen zuviele Decks auf die Ersatzbank muss. Leider fehlt momentan einfach ein ordentlicher Meervolk-Ersatz. Außerdem ist die Windbrisk Height eigentlich nur win-more-Spielerei. Hier muss einfach die vierte Faerie Conclave stattdessen (und nicht etwa zusätzlich) rein.
Im Sideboard sind es die Condemns, die ich nie reinboarden wollte. Ultraaggressive Decks ohne Lategame-Plan sind eben einfach aus der Mode. Dafür sollte aber mindestens noch eine dritte Pact of Negation mitspielen.
Nach dem Turnier schauen wir uns nochmal das sonntagabendliche Krakau inklusiver netter Kneipe an, bevor es 22:30 mit Nachtzügen Richtung Dresden geht. Eingeklemmt zwischen quer durchs Land zur Arbeit oder zur Armee fahrenden Polen schaffe ich bis Breslau eine Stunde Schlaf. Im zugigen Breslauer Bahnhof haben wir noch zweieinhalb Stunden Aufenthalt, bevor es früh halb 6 weiter gen Westen geht. Noch ein weiteres Stündchen Schlaf im Zug, dann bricht der Tag an. Mit der aufgehende Sonne im Rücken eilt der Zug durch die polnischen Weiten nach Hause.
Endstand Montag früh: Wach 76h Schlaf 17h
Fazit 2:
Auf der Rückfahrt habe ich dann von meinem Home-Judge Martin Golm den wichtigen Teil der
Headjudge-Ansprache erfahren. Bis dahin hatte ich nie darüber nachgedacht, dass man seine Karten, sein Deck, sein Sideboard und alle sonstigen zum Spiel benötigten Dinge immer im Sichtfeld des Gegners haben muss. Es war für mich einfach zu selbstverständlich. Und wie einfach es sich im Internet immer liest "Ruf den Judge!". Und wie schwer es dann wirklich ist. Gewisse Erfahrungen muss man wohl doch einmal machen, bevor man in Zukunft adäquat reagieren kann.
Zum Schluss natürlich noch ein großes Dankeschön an den Mike, Martin und MiDi, die alles wie gewohnt hervorragend organisiert haben - sowohl in reisetechnischer als auch in magictechnischer Hinsicht.
Fragen, Anregungen, Kommentare kommen in die Kommentare oder an krzikalla@gmx.de. Man sieht sich auf dem PTQ Leipzig.





Kommentar von Mike am 15. November 2007
Das hatte ich ja ganz vergessen, dass ich dich ja quasi in den Tag 2 genoetigt hatte. Entschuldige! Aber du hast die Fische ja ehrwuerdig vertreten. Ich habe 4 Konklaven gespielt und 3 Ringe, 2 Schools. Die Heights hat mir ein Spiel gewonnen, fand das sehr schick.
Wenn ich was aendern wuerde, dann wahrscheinlich ebenfalls die Schulen raus und evtl. sogar das Command, und dafuer Rune Snag oder so. 4 Mana sind fuer das Deck halt doch schon viel.
Mehr als ein Geheimtipp wird das Deck aber wohl nicht, dazu hat es doch ein paar unguenstige Matchups zuviel.
Kommentar von Der MiDi am 16. November 2007
Ein Spitzen Artikel, Olaf, auch wenn ich noch ein klein wenig die diversen Non-Magic-Stories vermisse. Aber dafür wird bestimmt noch jemand anders sorgen...
Was das Deck angeht, da hattest Du in einem weiteren Punkt Recht bzw. habe ich Dich zu Unrecht in dieses Design reingedrängt. Mittlerweile weiß ich mehr und jetzt ist es auch wirklich gut. Leider ein bisschen spät. Aber ich habe dann doch mal noch schnell einen kleinen Artikel verfasst, den der Martin hoffentlich bald hier rein stellen wird.
Ach ja, das schlechte MU sind nicht pauschal die ROTEN Karten, das geht schon (nur immer schön Adepten und den Siggi ziehen), viel schlimmer ist ein Removallastiges Deck mit vielen, guten Männern. Tarmogoyfs und Trolle mag dieses Deck nämlich gar nicht, wenn es nicht Racen kann. Und Racen geht nur, wenn die Lords überleben, ansonsten ist halt Tarmogoyf offensichtlich >> MYstic.
Nochmal Glückwunsch zum Tag 2 und Sorry fürs Einflüstern, dass 6-2-1 ohne Byes nie reicht. Ich wollte Dir nur das Geld fürs Taxi sparen :)
Kommentar von bongoking am 16. November 2007
Meerfolk am Tag2 .Das me(e)hr so wie Casual Magic(; Ok , war ja auch in Polen.
Habs gern gelesen.
Was sind denn Kudos ?
Kommentar von rnd d00d am 16. November 2007
http://en.wikipedia.org/wiki/Kudos
Kommentar von Kofi am 16. November 2007
Naja, eigentlich weiß ich natürlich nicht, ob der Mann die Changeling Berserker im Board hatte oder Maindeck, ich hab sie einfach erst nach dem Boarden gesehen.
Das mit dem einach anfangen und eventuell dq'en geht nicht, weil man ja nun nicht verpflichtet ist, über die Anzahl seiner Byes bescheid zu wissen.
Ansonsten schicker Artikel :-)
Kommentar von Jens Strohaeker am 18. November 2007
hei Olaf,
Faire Geste von dir bezueglich Klaus. Gestern auf der Fahrt nach Nuernberg haben wir nachdem er uns davon erzaehlt hat, versucht herauszufinden wie man deinen Namen ausspricht.
Ist es eher wie Kritzikalla oder eher wie Krischalla..
Gruß Jens
Kommentar von Olaf am 19. November 2007
(K)Schikalla
Das K hört man kaum.
Kommentar von Bunter am 20. November 2007
K|K|K|ch|K|cher|K|schikalla - von wegen.