Reya Dawnbringer

Magic the Gathering in Dresden und Umgebung

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Invitational Halle - WM mal anders

Es war am 30.6., jenem Tag also, wo Deutschlands Magic-Welt entweder bei der Weltmeisterschaft in Yokohama oder bei der Europameisterschaft in Amsterdam verweilte, als in Halle ein Einladungsturnier statt fand, in dem die besten 16 der ortsansässigen Liga sich zu einem gemütlichen Turnierchen einfinden sollten.

Auch einige Leipziger, mich eingeschlossen, hatten sich auf den Weg gemacht, natürlich erst, nachdem Hannes, der Veranstalter, Möglichkeiten, das WM-Finale zu verfolgen in Aussicht gestellt hatte. Dementsprechend gutgelaunt fanden sich auch alle Teilnehmer im Volkssolidaritätsgebäude ein, was in Anbetracht meiner Zivi-Zeit und der sich in der Küche stapelnden Thermoskannen u.ä. doch einige nostalgische Gedanken weckte. Hannes hatte sogar für einen Fernseher gesorgt, doch statt des erwarteten 70cm Flachbildschirmes, packte er ein Exemplar aus, welches in der Breite eine Magic-Karte nur ebenso schlug und in der Länge sogar unterlegen war. Doch bevor wir austesten konnten, wie vor einem solchen Gerät 18 Menschen Platz finden sollten, standen erst mal vier Runden "Bring Your Own Block" auf dem Programm. Die besten 8 qualifizierten sich dann fürs Finale.

"BYOB" ist ein bei uns eher selten gespieltes Format (um genau zu sein gab es das erste Turnier dieser Art erst am Freitag davor!) und dementsprechend großartig erschien die Deckauswahl. Kaum einer kam auch nur auf die Idee, ein bekanntes Block-Deck (so was wie Squirrel-Prison, Rebellen oder Domain) zu greifen.

Ich selbst bastelte mir ein Deck, was verstärkt mit den Friedhof agiert. Ursprünglich baute es auf der Hermit Druid-Haunting Misery-Kombo auf, das wurde mir aber zu langweilig und deswegen flogen letztere wieder raus. Trotzdem gab es noch zahlreiche Möglichkeiten, wie der Druide helfen konnte, z.B. via Living Death, Necratog oder CorpseDance auf Revenant.

Doch erst mal die fertige Deckliste:

Wie schon angedeutet gibts ziemlich viel Synergie in dem Deck, von Wood Sage/Stronghold bis Assassin/Corpse Dance. Die Manabase war natürlich grauenvoll, die Reflecting Pools echte MVP's. Im Zweifelsfall sollten es aber die mächtigen Eulen ("Rüstü" und "Sükür") richten. Schließlich zeugt schon die brutale Illustration der Karte für Angstzustände bei jedem Gegner.

Das Turnier begann schließlich und während Stefan und Sebastian (meine beiden Begleiter...) schon mal gegeneinander ran durften, hatte ich es mit Nico zu tun, der ein OD/TO/ALL Psychatog spielte.

Doch all das half ihm nicht gegen den mächtigen Wood Sage. Der kam halt zweite Runde, fand schon bei der zweiten Anwendung die erhoffte WOB, dann noch eine. Dann bei einmaliger Aktivierung den doppelten Necratog, während seine Edicte von meinen WOBs absorbiert wurden. Das zweite Spiel verlief ähnlich, nur dass er ein Upheaval einwarf. Doch da das seine letzte Handkarte war, verlor es einiges von seinen Schrecken und ich spielte einfach alles wieder aus und counterte seinen Versuch zu Upheaval Nr.2.

In der Zwischenzeit wurde der gigantische Fernseher wieder verstaut, da er außer einen für Naturfreunde relevanten "Schneesturm in der Antarktis" einfach kein Bild hinbekam. Zum Glück sprang in diesem Moment der VS-Zivi ein und packte den hauseigenen Fernseher aus. Den hätte man übrigens locker gegen ein Standard-Auto der Mittelklasse tauschen können, so edel sah der aus und dementsprechend zufrieden ging ich in die zweite Runde.

Dort wartete Stefan Busse, der erst mal den "K.-Budde-Gedächtnis-Preis" für kreative Deckwahl erhielt. Domain. Ganz nebenbei auch das schlechteste Match-Up, welches mir bis heute einfallen wollte. In Spiel 1 zeigte er auch den Idealstart mit Domain und einer gewaltigen Propaganda in Runde 4. Dazu kam die Deed, Strategies fürs halbe Deck und eine zeitige Legacy Weapon. Ich beschäftigte mich zu diesem Zeitpunkt mehr mit alltäglichen Regelfragen, wie z.B. Ertai`s Familiar (Phasing ;-)) mit der Coffin Queen funktionieren könnte.

Im zweiten Spiel tauchte dann endlich "Sükür" auf und verkündete, dass mein großartiger Hain der verkrüppelten Kiefern und die Rootwater Depths auf absehbare Zeit meine nächsten Länder sein würden. (Ich kann die beiden übrigens auseinander halten, da ich "Rüstü" zwei schwarze Striche unter die Augen gemalt habe und "Sükür" noch gelangweilter auf dem Bild aussieht...) Stefan spielte dann halt so 3. Runde Destructive Flow und ich schickte meine Jungs zum Döner-Essen.

Dann kam der Schock. Scheinbar hatte sich die VS beim Kauf des Fernsehersübernommen, denn es hatte nur noch zu einer etwas seltsam aussehenden Zimmerantenne gereicht. Da Halle aber nun mal ziemlich dolle vom Rest der Welt abgeschottet, reicht das gerade mal für ARD. Ach ja und MDR, die gerade den spannenden zweiten Teil der Serie "Was Tiere denken und fühlen" mit dem verheißungsvollen Untertitel "Gefühle" sendeten.

Bevor ich mich jedoch weiter mit den wichtigen Sachen des Lebens beschäftigen konnte, musste ich wieder spielen. Gegner in dieser Runde war niemand anderes, als Stefan Heumann, himself, der immerhin die Euros für Halle geskippt hatte ;-) Der Draw war schnell eingeschrieben, da wir beide beschlossen hatten, das letzte Spiel zu gewinnen und damit in die Top8 zu kommen. Stefan spielte übrigens ein Wild Research Deck, das die TO-Madness Karten nutzte und ein wenig MM besaß, um alternativ auch mal einen Squee durch die Compulsion zu jagen...

Kein Fernseher in Halle... Aber Radio! Und so kam es, dass sich alle, die nicht gerade spielen mussten, um ein uraltes Rundfunk-Gerät sammelten, das wohl auch schon das Finale 54 erlebt hatte. Man sah da zwar keine bunten Menschen (auch keine schwarz-weißen), aber die beiden Reporter sorgten schon dafür, dass man sich alles genau vorstellen konnte. ("Kanarienvogel-Gelb") Auch ansonsten kam richtig Stimmung auf, auch wenn sich manche Sätze ("Kahn hält...") doch öfters mal wiederholten.

In der Halbzeitpause begann dann meine letzte Partie, die ich doch eher schnell beenden wollte. Natürlich hatte Hannes es geschafft auch noch die letzte Paarung der Leipziger hinzubekommen und somit spielte ich jetzt gegen Sebastian um den Einzug in die Finals. Der RSR hatte ein OD/TO/EXO U/G Madness-Deck mit Lootern usw. gebaut und bisher viel Pech gehabt. Und diese Strähne hielt auch gegen mich an. Im ersten Spiel war ich selbst verblüfft, was mein Deck alles kann und Sebastian kämpfte um Mana. Im zweiten Spiel nahm er erst mal Doppel-Mulligan, hatte dann eine Starthand völlig ohne Land. Als er endlich zwei Inseln hatte und ne Möbe an den Start brachte, hielt ich schon Choke bereit. Dann packte ich noch den Tradewind aus und bouncte schön das einzigste Land, das er enttappen konnte. Das Spiel war längst entschieden und schließlich auch vorbei, als "Rüstü" auf dem Spielfeld auftauchte.

Während der gute Ronaldo ("Silberfüsschen") dann für die Entscheidung sorgte, stand diese in Halle, an der Saale noch aus. Fürs Finale hatte Hannes seine alten, nie gespielten OD/TO/JU Commons ausgepackt und einen Sealed-Pool geschaffen, der für alle gleich war. Da Hannes jaselbst ein ganz ordentlicher Spieler ist (ein ziemlich guter, um genau zu sein...vor kurzem erst das Berliner PreRelease gewonnen!), brauchte er die guten Karten alle selbst und der Rest war...nun ja...mäßig. Leider habe ich den Pool nicht mehr, klar war jedoch, dass Rot einfach zu schlecht war. Es hatte zwar ein Demoralize, was bei den zu erwartenden Stalls sicherlich ein Breaker wäre, aber sonst fast nix. Alle anderen Farben erschienen relativ gleich stark und so spielten auch alle B/W/G, U/W/G, U/B/G oder wie Stefan und ich B/W/U. Interessant war hierbei, dass ich blau nur gesplasht hatte, v.a. für den Cephalid Scout, der aussah, als könne er die Spiele alleine gewinnen.

Und dann kam es noch schlimmer, als ich erwartet hätte.

Mein Achtelfinale ging ca. 1h und war damit das Zweitschnellste. Und das nur, weil wir extrem schnell spielten. Am Ende entschied es dann mein Mehr an Fliegern gegen seine Random grünen Bodenkreaturen. Das zweite Spiel verlor ich nach Mulligan an einen schlechten Draw, aber das dritte wurde trotz Blätterdach-Klauen nicht mehr wirklich knapp.

Dann kam wieder der Stefan Busse, der ohne blau spielte. Das erste Spiel war ein schönes Beispiel dafür, wie das Format läuft, wenn beide anständig ziehen. Nach ca. 1 h hatten wir beide den Tisch voll, ich einen Flieger, er die beste grüne Karte, den Krosan Archer. Die Lebenspunkte waren zweistellig und auf meiner Hand stapelten sich Desire, Second Thoughts (broken!) u.ä. Mit gewaltigen Kraftakten schaffte ich es schließlich 2 oder 3 Karten vorm Decktod auch den letzten Schadenspunkt noch einzeln durch zu bringen. Es gibt nichts besseres, als solche Mammut-Spiele. Außer vielleicht solche Mammut-Spiele um 3 Uhr früh und bei 30°C.

Die beiden folgenden Spiele waren geprägt von Screws, erst bei mir, dann bei Stefan und schließlich stand ich im Finale, diesmal gegen Stefan Heumann. Der hatte im Prinzip das gleiche Deck, nur auf den gigantischen 1-Mana-Falken hatte er verzichtet. ("Sas") Während wir also noch Witze darüber machen, lege ich "Sas" gleich mal in der ersten Runde. Das Spiel danach ist relativ ausgeglichen, nur "Sas" macht beständig Schaden, am Ende 14 von 20;-) Stefan unterzeichnet ihn auch sofort auf mein Bitten hin und schon versteckt er sich in Spiel 2 zusammen mit meinen Sümpfen. Zum Glück macht Stefan nicht so richtig Druck (wie auch, wenn er nur 1/3 Kreaturen zur Auswahl hatte) und irgendwie stabilisiere ich mich. Dann zieht er nur noch Länder und ich mach so alltägliche Sachen, wie Auramancer, Dematerialize den Auramancer, Morgue Theft den Auramancer etc. Jedes Mal für ein Desire (mal Patriarch's, mal Kirtar's...) und eine kleine Ewigkeit später kommt auch der letzte Schadenspunkt durch.

Bei der Auswahl der Preise hat sich Hannes auch richtig Mühe gegeben. Zwar war im "Leggende-Busta" kein Abyss oder Moat, aber auch keine 4-farbige Legende für 9 Mana, die dann noch ein blaues produzieren kann... In Judgement öffnete ich wohl zum ersten Mal weder "Episches Streiten" noch den guten "Reißzahn Behemoth", sondern einen Wunsch (überraschenderweise nicht den schwarzen), jeweils einen Drachen usw.

Tja und dann ging es wieder nach Hause, wo wir was machten? Richtig, Fußball schauen.

Props:

  • Hannes, für ein schönes Turnier und die Arbeit, die er nicht nur da hinein steckt...
  • Colin, mein Billard-Tag-Team-Partner. Nach dem ersten Bier unschlagbar.
  • Robert, der seine kostbare Zeit nicht wichtigen Klausurvorbereitungen geschenkt hat, sondern zu uns gekommen ist, Fußball hören. ;-)

Slops:

  • "Ahn", mein Cephalid Scout, mit Lockenpracht. War eigentlich immer dritt- oder viertletzte Karte im Deck, während draußen mehr Länder lagen, als der Tisch (er-)tragen konnte.
  • Eron, weil er in meinem BYOB-Deck Nr. 2 (Mirage-Homelands-Prophecy) am Freitag nie auftauchte, um die Gespensterbären, Karoo Merkatzen und Vintara Schnapper zu unterstützen...
  • VS-Schnitzel. So dünn, dass das Fleisch einer Hausfliege wohl für zwei gereicht hätte.

Michael Diezel, 30. Juni 2002


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