Grand Prix Kopenhagen
Das neue Extended-Format war gerade mal zwei Wochen alt, da stand schon der erste Grand Prix in diesem Format auf dem Plan. Diesmal sollte Kopenhagen der Austragungsort sein. Ich hatte mich für diesen Grand Prix als Schiedsrichter beworben; zum einen, weil Kopenhagen gut zu erreichen ist, und zum anderen, weil ich auch mal einen Constructed-Grand Prix mit schiedsen wollte. Dankenswerterweise durfte ich dabei sein.
Freitag Morgen ging's zuerst zum Bahnhof, von dort aus mit dem Zug zum Flughafen Berlin-Schönefeld. So etwa fünf Minuten vor dem Einsteigen ins Flugzeug trafen dann auch Chicken, Eric, Mario M. und Tom am Gate ein. easyJet hat uns dann von Berlin-Schönefeld nach Kopenhagen gebracht. Es war ein ziemlich kurzer Flug; kaum war man oben in Reisehöhe, ging's auch schon wieder runter.
Billigflieger bekommen natürlich auch die billigsten Plätze. Das mussten wir nach der Landung feststellen, als wir, um vom Flieger zur Gepäckabfertigung und zum Ausgang zu kommen, um den halben Flughafen rundrum laufen mussten.
Am Flughafen trennten sich dann unsere Wege. Chicken, Eric, Mario und Tom sollten vom Bunten abgeholt werden, während ich direkt nach Bröndby musste. Bahn und Bus brachten mich dann vom Flughafen zum Hotel. Ja, das, was ihr da rechts seht, war unser Hotel. Hätte es keine Leuchtreklame gehabt, wäre ich sicher auf der Suche danach ein paar Mal dran vorbei gelaufen. (Und nein, das Hotel setzte sich nicht nach unten fort. Es hatte tatsächlich pompöse zwei Stockwerke.)
Von innen betrachtet machte das Hotel erst mal gar keinen so schlechten Eindruck. Das änderte sich dann leider, als ich in das mir zugewiesene Zimmer kam. Die komplette Einrichtung sah irgendwie billig aus. Ein Blick ins Badezimmer bestätigte dann erste Befürchtungen. Ich dachte da so zu mir: "Na ja, da hat sich WotC ja nicht gerade übertroffen. Die haben auch schon besseres geboten."
An einem der Schränke war ein Hinweisschild angebracht, das unter anderem die Zimmerpreise des Hotels darbot. Was für Preise! Immerhin: inklusive 15% Trinkgeld und 25% Mehrwertsteuer.
Einschub:
Die 15% Trinkgeld waren im Nachhinein jedenfalls nie und nimmer gerechtfertigt. Die haben schon gewusst, warum sie das im Zimmerpreis gleich mit einkalkuliert haben. Ansonsten hätten sie nämlich keins bekommen. Am nächsten Morgen stellte sich nämlich heraus, dass es um 6.30 Uhr kein Frühstück geben würde — obwohl es mit dem Hotel-Manager vereinbart gewesen ist. Vor 7.30 Uhr geht da am Wochenende nix los. Das hieß also, in diesem Hotel würde es am ganzen Wochenende für uns kein Frühstück geben. Und als wir am Sonntag Abend kurz nach 22 Uhr ins Hotel zurückkamen, war die Hotelbar zu - die schließt am Wochenende (oder Sonntag, da bin ich mir nicht ganz sicher) um 22 Uhr. Es sollte dann natürlich auch noch andere Proleme mit dem Hotel geben, aber auf die möchte ich nicht weiter eingehen. Wenn es keinen Grand Prix in Dänemark mehr geben sollte, könnt ihr ruhig unserem Hotel die Schuld geben.
Freitag Abend fand dann erst mal das übliche Judge-Meeting statt. Das gestattete auch einen ersten Blick auf den Veranstaltungsort - sah eigentlich gar nicht so schlecht aus.
Ein erster Euphorie-Dämpfer, als 20 Uhr die Anmeldung schloss: Bis zu jenem Zeitpunkt hatten sich nur 130 Spieler angemeldet. Das würde ja ein schönes Gedrängel werden, wenn da Samstag Morgen noch 500 Leute kommen. Aber das würden wir schon hinbekommen.
Natürlich haben wir den Ansturm der Spieler dann unter Kontrolle gebracht - Moment, welchen Ansturm? Samstag Morgen meldeten sich weitere 210 Spieler an, so dass insgesamt sagenhafte 340 Spieler teilnehmen wollten. Das reichte noch nicht einmal für die sonst für einen Grand Prix üblichen neun Runden.
Einschub:
Die geringe Teilnehmerzahl ist größtenteils damit zu erklären, dass die Dänen hauptsächlich Limited spielen. Einer der dänischen Schiedsrichter sagte mir folgendes: Wäre es ein Limited-Grand Prix gewesen, wären alleine aus seiner Region 100 bis 150 Leute mehr gekommen. Ah ja, dumm gelaufen also.
Zwei an mich gestellte Regelfragen von Tag 1, die vielleicht auch für die geneigte Leserschaft interessant sein könnten:
- "Wenn ich eine Deep Analysis auf mich spiele, kann ich dann die erste Karte ziehen und die zweite Dredge'n?"
Ja, das geht. Zwei Karten zu ziehen beutet, eine Karte zu ziehen, und dann noch eine Karte zu ziehen. Jedes einzelne dieser beiden Ereignisse kann man durch Dredge ersetzen. - "Ich habe mit drei Goblins im Spiel meinen Sparksmith aktiviert, um von meinem Gegner eine Kreatur abzuschießen. In Reaktion hat er einen meiner Goblins mit Smother zerstört. Wieviel Schaden bekommt seine Kreatur (und ich) jetzt? Zwei oder drei?"
Das X (die Menge des Schadens) wird bestimmt, wenn die Fähigkeit des Sparksmith abgearbeitet wird. Die Kreatur und Du bekommen jeweils zwei Schaden.
Nach acht Runden steht dann fest, dass Michael Diezel und Thomas Schmalfeld die Top64 erreicht haben. Wirklich erfahren haben sie das aber erst eine Stunde nach Ende dieser letzten Runde. Es gab nämlich bei einem Spiel der letzten Runde ein Problem, das eine Untersuchung und anschließend eine Disqualifikation zur Folge hatte. Was genau passiert ist, kann ich leider nicht sagen (zum einen fehlen mir einige Details, und zum anderen ist das Problem nicht einfach wiederzugeben). Durch diese Untersuchung fehlte halt noch das letzte Ergebnis, und ohne dieses Ergebnis wurden die Standings nicht ausgehängt. Das war nicht so toll, hatte das Spiel doch keinen Einfluss auf die Top64.
Der Bunte hat natürlich wieder bei einer Auslosung gewonnen, diesmal ein freies Sideevent. Der Kerl hat so ein Glück! Der darf an keiner Auslosung mehr teilnehmen.
An Tag 2 konnten sich beide Sachsen leider nicht in die Top8 vorarbeiten. Auch ein Feature Match war dem MiDi nicht vergönnt, obwohl ich es extra noch mal vorgeschlagen hatte. Sein Deck hätte ein Feature Match auf jeden Fall verdient.
Einschub:
Na los, MiDi, her mit dem Turnierbericht. Das Deck hat sicher so einige Leute verblüfft.
In der letzten Runde beobachtete ich ein Match. Der eine Spieler hatte eine Lightning Helix in sein Isochron Scepter eingeprägt. Sein Gegner war bei 15 Leben, und er dachte sich wohl "Cool, in zwei Zügen hab' ich gewonnen." Denn er spielte Cunning Wish und holte sich damit die eingeprägte Lightning Helix auf die Hand, um dann sein Isochron Scepter zu aktivieren und die ehedem eingeprägte Lightning Helix zu kopieren und zu spielen. Da musste ich doch einschreiten, denn die Lightning Helix war ja nicht mehr eingeprägt.
Er: "Da steht doch aber, dass ich den eingeprägten Spruch kopieren kann, und ich habe ja die Helix eingeprägt als das Szepter ins Spiel kam."
Ich: "Aber die Helix ist nicht mehr eingeprägt, denn sie ist ja nicht mehr in der removed-from-game-zone."
Er: "Auf Magic Online funktioniert das aber so!"
Ich: "Dann ist das ein Bug in Magic Online."
Er: "Appeal - hol bitte den Head Judge."
Na ja, der Head Judge hat das dann auch so gesehen wie ich.
Anschließend fanden dann noch die Top8 statt. Total albern: Im zweiten Zug gegen Affinity Kataki, War's Wage zu legen. Der Affinity-Spieler hat dann mal gleich zusammengeschoben.
Montag haben wir uns dann noch Kopenhagen angeschaut, denn der Rückflug fand erst am Abend statt. Um es mal so auszudrücken: Wer tolle Sehenswürdigkeiten sucht, ist in Kopenhagen falsch. Mittagessen gab's bei Burger King zu saftigen Preisen. Doppel-(W)Hopper-Menü für knapp 10 Euro. In Deutschland kriegt man das für 6 Euro. (Ich habe was anderes genommen, ich wollte bloß mal einen Preisvergleich anbringen.)
Zusammen mit Chicken, Eric, Mario und Tom ging's per easyJet zurück Richtung Heimat. In Berlin-Schönefeld habe ich mich dann von ihnen getrennt. Ich bin mit dem Zug nach Dresden gefahren, die vier mit dem Auto.
Fazit zum Grand Prix: Tog, Boros Deck Wins und Affinity sind die Decks to beat, während Goblins, The Rock und UG-Madness hinter den Erwartungen zurückblieben. Die Entscheidung, den Event zu schiedsen und nicht zu spielen habe ich nicht bereut - bei den vielen potentiellen Spielen gegen Heartbeat-Combo oder Tog wäre mir wohl sicher irgendwann die Hutschnur geplatzt.
Für mich ist dieses Jahr in Sachen Grand Prix Schluss. Mal schauen, was es im nächstes Jahr so an Grand Prix's in Europa gibt.




Kommentar von Falko am 09. November 2005
[quote]Für mich ist dieses Jahr in Sachen Grand Prix Schluss[/quote]
Schade. Ich hatte gehofft, Dich in Bilbao zu treffen.
Kommentar von Søren Pedersen, Denmark am 09. November 2005
The man with the Isochron Scepter was a friend of mine. Best story ever! We are having so much fun out of it.
Regards.
Kommentar von powerengel am 10. November 2005
Sunday, Nov. 6: 9:30 a.m. - Day Two Deck Archetypes
"The rogue decks consisted of a Mono-black zombie deck and an innovative Overgrown Estate/Nefarious Lich deck piloted by Michael Diezel that I might drop in and have a look at later."
Darauf warte ich immer noch...
Kommentar von Chicken am 10. November 2005
Blos mal, um das klarzustellen: wir waren ca. 7 min vor dem Flug am Gate.....
Kommentar von Martin Helbig am 10. November 2005
Ich hatte auch eine Begenung mit dem Head judge. Mein erster Gegner wollte, nachdem er vergessen hatte in seiner Draw Phase zu ziehen, wieder in seine Pre-combat Main Phase zurück. Wir waren aber schon in der Kampfphase und ich hatte schon einen Meloku Token gemacht, um seinen Mongrel zu blocken. Der herbeigerufene Judge erklärte ihm dann, dass er nicht nochmal in seine Main-Phase zurück darf, weil er ja schon weiss wie ich blocken will. Das wollte er dann noch einmal vom Head Judge wissen. Als der ihn dann darauf ansprach, dass er nur ein Land gezogen hatte und gar nichts in dieser Phase hätte machen können, sondern nur stallen wollte, bekam er ein Warning und ich noch 4 Minuten extra.
Danke für den Artikel und es war schön, dass du wieder als Judge da warst. Von mir wird unter der Woche auch noch ein Machwerk zu lesen sein, hoffe ich. bis dahin.
Kommentar von Martin Helbig am 10. November 2005
Und eh ich es vergesse, der Erik hat einen Haufen Photos gemacht, die in mancher Hinsicht interessant sein dürften (nicht zuletzt, weil sie brisante Aufnahmen der französischen Trader-Verkäuferin zeigen) Die sollten auch mal gepostet werden.
Kommentar von Kofi am 10. November 2005
Na ja, mich das das Deck vom Diezel nicht so überrascht, hab halt Game 1 Turn 3 Needle auf Overgrown Estate gemacht, was ihm nicht so gefallen hat ;)
Kommentar von Frank am 11. November 2005
"(nicht zuletzt, weil sie brisante Aufnahmen der französischen Trader-Verkäuferin zeigen)" - hop hop, her mit den Bildern! :D
Kommentar von Icewarlock am 13. November 2005
Fotos gibt es bald, die hat im Moment der Mario, der auch ein Bericht schreiben wollte...Ich werd die auf ne RW brennen und zu de nTurnieren mitnehmen...